Längere Arbeit hilft Arbeitsmarkt nicht

2. September 2004, 15:05
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Deutsche Forscher: Längere Arbeitszeiten führen zu weniger Neueinstellungen

Nürnberg/Wien - Längere Arbeitszeiten werden dem deutschen Arbeitsmarkt nach Erkenntnissen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) momentan nicht weiterhelfen. Sie würden sogar zu noch weniger Neueinstellungen führen, belegen die IAB-Wissenschafter Eugen Spitznagel und Susanne Wanger in ihrem jüngsten Bericht.

In Österreich hat sich Exfinanzminister Hannes Androsch am Samstag dafür ausgesprochen, auf zwei Feiertage zu verzichten, aber im Gegenzug drei Urlaubstage mehr zu gewähren.

Auslastung

In Deutschland beklagen die beiden Arbeitsmarktforscher, dass die Nachfrageseite zum Teil ausgeblendet wird, insbesondere die derzeitige konjunkturelle Lage und der teilweise niedrige Auslastungsgrad der Produktionskapazitäten.

Noch ist die Konjunktur auch aus der Sicht von Wirtschaftsforschern und Bankanalysten so schwach, dass zusätzliche Aufträge mit bestehendem Personal und notfalls durch Überstunden abgearbeitet werden. Neueinstellungen - das sagte auch Heinrich Alt von der Bundesagentur für Arbeit (BA) - werden erst bei einem Wirtschaftswachstum von zwei plus X Prozent vorgenommen.

Solange nicht die so genannte "Beschäftigungsschwelle" erreicht ist - die bisher bei etwa 2,5 Prozent Wachstum lag -, werden in den Betrieben eher Stellen abgebaut. Das belegen auch die Daten des Statistischen Bundesamtes. Die Zahl der Erwerbstätigen liegt mit insgesamt 38,18 Mio. um 100.000 unter Vorjahresniveau.

Zahl der Beschäftigten rückläufig

Gleichzeitig ging die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten binnen zwölf Monaten sogar um 518.000 auf 26,45 Mio. zurück. Neben den Forschern des IAB, das zur Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg gehört, steht auch die überwiegende Mehrzahl der Betriebe einer Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich indifferent oder negativ gegenüber.

Nur drei Prozent der Unternehmen erwarten positive Effekte. Der schlichte Dreisatz "Zehn Prozent längere Arbeitszeit bedeutet zehn Prozent weniger Beschäftigung und entsprechend mehr Arbeitslose" lässt sich nicht anwenden. "Im Moment fehlt es vor allem an der notwendigen Güternachfrage", sagt Spitznagel. Außerdem nimmt die Produktivität der Beschäftigten mit zunehmender Stundenzahl ab. Auch mögliche Motivationsverluste sind aus der Sicht der Wissenschafter nicht zu unterschätzen.

Überstunden

So hätte eine längere Wochenarbeitszeit auch einen Rückgang der Überstunden, einen Abbau von Arbeitszeitkonten, mehr Kurzarbeit und weniger Nebentätigkeiten zur Folge. "Eine Arbeitszeitverlängerung würde den Einstellungsdruck, der von einer konjunkturellen Belebung ausgeht, abschwächen", heißt es im IAB-Bericht. (dpa/DER STANDARD Printausgabe, 09.08.2004)

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