Die Liebe sei Euer Heldentum!

11. Oktober 2004, 10:03
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Deutschnationale Agitation lag auch fest in Frauenhänden, so das Ergebnis einer historischen Studie an der Uni Graz zum Verein 'Südmark'

Die Gesellschaft der Moderne erinnert - mit Verlaub - ein wenig an die heutige Zeit. Gewohnte Lebensmuster und Loyalitäten brachen auf, Migrationswellen belebten die rasant wachsenden Städte und neue Paradigma - in diesem Fall die "Wissenschaftlichkeit und Rationalität" - versuchten, die Religion auf die Seite zu drängeln und sich das absolute Argumentationsvorrecht zu eroberten. Der Vielvölkerstaat der österreichisch-ungarischen Monarchie ging seinem Ende zu und gerade in diesem Tumult der sich auflösenden Identitäten begann ein neues Identifikationsangebot seine eisernen Blüten zu treiben: der Nationalismus.

Wer sich bislang im bunten Treiben der Habsburger Monarchie überfordert gefühlt hatte, konnte nun - zumindest vorgeblich - wissenschaftlich seine "nationale" Zugehörigkeit finden. Ein gemeinsamer Ursprung, die miteinander geteilte Sprache und Kultur - das sollte ausmachen, wer in der Volksgemeinschaft "mitmachen" durfte - oder eben aber auch nicht. Und um die von Seiten der slawischen, russischen oder welch auch immer, aber auf alle Fälle "anderen" Nation, permanent gefährdete "Volkskultur" zu retten - oder aber auch, wie die neuere Nationalismusforschung zeigt, erst zu erfinden - fanden sich nationalgesinnte ZeitgenossInnen in ebensolchen Vereinen wieder.

Schul- und 'Schutz'-verein Südmark

So wurde zum Beispiel im Jahre 1889 in Graz der Schul- und 'Schutz'-verein Südmark gegründet, dessen Ziel die Unterstützung der deutschsprachigen beziehungsweise der "deutschstämmigen" Bevölkerung an den Sprachgrenzen war. Zu diesem Zweck wurden Liegenschaften erworben, sowie landwirtschaftliche Geräte für in Not geratene deutsche Pächter. Ebenso wurden Sparvereine gegründet, sowie Genossenschaften, Fachschulen, Schülerhorte, Volksbüchereien und eine Stellenvermittlung betrieben. Also ein enges Netz gewoben, das gegenüber der nichtdeutschen Umgebung Assimilation und Hegemonieverlust "der Deutschen" verhindern hätte sollen.

Gemeinsam mit dem Ringen um ein erstarkendes Zusammengehörigkeitsgefühl wurden klare ideologische Vorgaben herausgearbeitet. Biologische Klassifikationen sollten die Unterschiede zwischen "dem Deutschen" und "dem Slawen/Tschechen/Magyaren ..." festmachen, aber auch eine scheinbar wissenschaftlich-physiologische Unterscheidung zwischen Mann und Frau herstellen. An diese körperlichen wurden sogleich psychische Differenzen angeknüpft, und so konnte (nicht nur) das deutschnationale-völkische Lager die Verdrängung der Frauen in die private Sphäre argumentieren.

Hausfrauisierung und Politisierung der Massen

Im Laufe des 19. Jahrhunderts hatten "natürliche Geschlechtercharaktere" die Vorherrschaft in sittlicher und moralischer Hinsicht zu erobern begonnen. Die Frau wurde zur Antithese des Mannes, wie auch das Konversationslexikon von Brockhaus 1898 unterstreicht: "Alle körperlichen und geistigen Eigentümlichkeiten, durch die sich das Weib vom Manne unterscheidet, stehen im innigsten Zusammenhange mit der Bestimmung desselben, Mutter zu werden."

Doch die Zeit des erstarkenden Nationalismus war auch zu einem großen Teil von massiven Emanzipationsbestrebungen gekennzeichnet. Das BürgerInnentum und die ArbeiterInnenklasse verlangten nach Mitspracherecht, der Adel rang um Selbsterhaltung, noch mit dieser Emanzipation und Politisierung der Massen zu ging auch eine Verdrängung der Frauen aus dem politschen Umfeld einher. "Der Frau die Familie, dem Manne der Staat", so die Vorstellung (nicht nur) der Deutschnationalen. Gerade auch das Aufkeimen der Ersten Frauenbewegung ließ die Fronten auf der anderen Seite verhärten.

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(e_mu)

"Und handelt sich's um Opfermut und Treue, kann auch die Frau nicht müßig abseits steh'n".
Geschlechteridentität(en) im deutschnational - völkischen Milieu um 1900 am Beispiel des 'Schutz'-Vereins Südmark

Die von Mag.a Dr.in Heidrun Zettelbauer verfasste Dissertation erscheint voraussichtlich Frühjahr 2005 im Campus Verlag.
  • "Aufsteirern" á la fin de siècle: Auch die "deutsche Volksmusik" galt es von seiten der deutschnationalen Aktivistinnen zu pflegen und "bewahren", hier vom "Mürzthaler Sängerbund" anlässlich des 1902 in Graz stattgefundenen 6. Sängerbundfestes in Graz.
    festblätter zum 6. deutschen sängerbundesfeste
    "Aufsteirern" á la fin de siècle: Auch die "deutsche Volksmusik" galt es von seiten der deutschnationalen Aktivistinnen zu pflegen und "bewahren", hier vom "Mürzthaler Sängerbund" anlässlich des 1902 in Graz stattgefundenen 6. Sängerbundfestes in Graz.
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