Nachruf auf die Zwischentöne

8. September 2004, 14:55
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Karita Mattila im Salzburger Mozarteum

Salzburg - Es ist die Wahl der lokalen "Waffen", die über Gelingen oder Misslingen einer gesanglichen - man muss es hier leider sagen - Schlacht entscheiden. Sind sie zu filigran, geht man etwas unter. Sind zu zu klobig, lassen sie ihren Besitzer etwas unflexibel erscheinen und bescheren ihm womöglich einen eher zweifelhaften Sieg.

Die finnische Sängerin Karita Mattila, die in Anwesenheit der momentanen Festspieldirigenten Semyon Bychkov und Donald Runnicles (auch Theatererchef Jürgen Flimm war da) ihr Mozarteum-Auditorium zu Beifallskundgebungen veranlasste, die man jeder der diesjährigen Musiktheaterpremieren gewünscht hätte, hat zweifellos gesiegt.

Man wird nicht sagen können, dass sie es sich leicht gemacht hätte. Ganze drei Kleider wurden an diesem heißen Abend verbraucht, und von Schonung im vokalen Bereich kann zweifellos auch keine Rede sein. Dies allerdings war genau das Problem. Als gelte es, die Felsenreitschule zu beschallen, suchte Mattila ihr Heil in einer Lautstärke, die nicht selten ziemlich unpassend wirkte. Und umso frappanter war diese Hingabe an die Dezibel-Götter, als das musikalische Material eine solche zumeist ja gar nicht erforderte.

Henri Duparcs Miniaturen sind voll der filigranen Zwischentöne. Bei Mattila liefen sie jedoch immer auf einen lärmenden Höhepunkt zu. Und das klang bisweilen auch noch allzu vibrato-selig und schließlich eigentlich so, als würde jemand durch eine poetisch anmutende Landschaft mit einem lärmenden Traktor rasen.

Das macht Effekte, aber nur oberflächliche. Wenn man eben an Lieder verhängnisvoller Weise mit einem hochdramatischen Opern-Ansatz herangeht. Immerhin ergaben sich bei Kaija Faariahos Quatre instants, mit ihrer düsteren, schummrigen Anlage Momente der sinnvollen Dramatik. Und bei Rachmaninovs Liedern wurde man auch Zeuge des einen oder anderen sanften Ruhepunktes mit galant-leichten Linien. Bei Dvoráks Miniaturen jedoch bahnte sich wieder die Opernästhetik ihren Weg. Kurzum: Ein Dokument der maßlosen Übertreibung, nett assistiert von Martin Katz am Klavier. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.8.2004)

Von
Ljubisa Tosic
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