Deutsche Bundesbank besorgt über hohen Ölpreis

7. September 2004, 11:55
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New York auf Rekordniveau: Preis je Barrel bei 44,77 US-Dollar

Berlin/New York - Der ungebremste Anstieg des Ölpreises dämpft nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank die Konjunktur für dieses und für das kommende Jahr in der Bundesrepublik. Bleibe der Ölpreis auf dem jetzigen Niveau, sei ein kleiner Abschlag beim Wachstum und der Beschäftigung sowie eine etwas höhere Inflationsrate einzukalkulieren, sagte Bundesbank-Chefvolkswirt Hermann Remsperger der "Welt am Sonntag". Für 2004 und 2005 rechnet Remsperger mit einer Inflation von weniger als zwei Prozent. Nur wenn das Öl nicht noch teurer werde, "können wir weitgehend bei unseren zuversichtlichen Voraussagen für das Wachstum und die Preise in Deutschland bleiben", sagte der Ökonom.

Preis je Barrel bei 44,77 US-Dollar

Auch aus New York gab es am Freitag bis zum Handelsschluss keine Entwarnung. Der Preis je Barrel (159 Liter) bewegte sich am Warenterminmarkt Nymex im Tagesverlauf auf dem Rekordniveau von 44,77 Dollar. Er gab jedoch am Ende gegenüber dem Vortag um 46 Cent oder 1,04 Prozent auf 43,95 Dollar nach.

Der immer wieder mit dem hohen Ölpreis in Zusammenhang gebrachte russische Ölkonzern Yukos hatte am Freitag nach Monaten der Niederlagen im Streit mit den Behörden um Steuernachforderungen erstmals einen wichtigen Sieg vor Gericht errungen. Ein Moskauer Schiedsgericht erklärte die Beschlagnahme des wichtigsten Yukos-Förderbetriebs, Juganskneftegas, durch Gerichtsvollzieher für gesetzeswidrig. Der Schritt vom 14. Juli müsse sofort rückgängig gemacht werden, entschied der Richter nach Angaben der Agentur Interfax. Zur Bedienung der Steuerschuld in Höhe von umgerechnet 2,8 Milliarden Euro sei ein Zwangsverkauf des Förderbetriebs nicht vorrangig.

Schröder soll beziehungen zu Moskau spielen lassen

Der Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA hat sich für eine Intervention der Berliner Bundesregierung im Fall des russischen Öl-Konzerns ausgesprochen. "Wir würden es begrüßen, wenn der Bundeskanzler (Gerhard Schröder, Anm.) seine guten Beziehungen nach Moskau nutzen und einen Appell an die russische Regierung richten würde", sagte Olaf Wortmann, Konjunkturexperte des VDMA, dem "Tagesspiegel" (Samstagausgabe). Der von stark gestiegenen Stahl-, Kunststoff- und Aluminiumpreisen abhängige Maschinenbau spüre auch den hohen Ölpreis, sagte Wortmann. Gravierender seien aber die Folgen beim Auftragseingang, weil viele Kunden wegen des teuren Öls zurückhaltender geworden seien.

Trotz der hohen Benzinpreise haben die deutschen Bundesbürger nach einem Bericht des Magazins "Focus" in den vergangenen Monaten mehr getankt. Laut "Focus" tankten die Deutschen von Jänner bis Juni dieses Jahres 0,86 Prozent mehr Sprit als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das Magazin beruft sich auf Zahlen des Mineralölwirtschaftverbandes in Hamburg. Trotz der Rekordpreise im Mai, die zur Zeit in etwa wieder erreicht sind, erhöhte sich der Diesel-Absatz um vier Prozent, während der Verkauf von Benzin um 2,3 Prozent zurückging. (APA/dpa)

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