Jungärztin will nicht "Doogie Houser" sein

4. Oktober 2004, 13:51
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Porträt: Frau Doktorin Vera Haslinger ist mit 21 Jahren Österreichs jüngste Medizinerin

Das letzte Mal, als Vera Haslinger für Rummel sorgte, war während ihrer Gymnasialzeit. Denn ein Auslandssemester in Kanada war am Gymnasium in Wieselburg (NÖ) nicht gerade alltäglich. Jetzt, vier Jahre später, passierte wieder etwas nicht gerade Alltägliches: Mit einundzwanzig Jahren hat Haslinger bereits ihr Medizinstudium absolviert.

Als neuer "Doogie Houser", das Wunderkind im Arztmantel in der gleichnamigen TV-Serie, will sich die im Juni promovierte Frau Doktor dennoch nicht sehen: Sie merke sich Dinge zwar wahnsinnig schnell - es gebe aber viele andere kluge Menschen. Zum Beispiel ihren älteren Bruder, für Haslinger "die intelligenteste Person, die es gibt". Mit ihm und der jüngeren Schwester ist die Jungmedizinerin in ihrer Heimatgemeinde bei den Eltern aufgewachsen, wo sie auch "derzeit" noch wohnt.

Seit vergangenem Montag hat Haslinger ihren Turnusplatz am Krankenhaus Melk angetreten. Die Suche war auch für jemanden, der in Rekordzeit durch das Medizinstudium fegt, schwierig. Über sechzig Bewerbungen habe sie abgeschickt und letztlich zwei positive Antworten erhalten. Neben dem Turnus will Haslinger am Wiener AKH wissenschaftlich arbeiten. Dass sie danach Kinderärztin wird, steht jedenfalls fest.

Ihr Zweitstudium, Sportwissenschaften, wird sich daneben nicht mehr ausgehen. Schon bislang musste im Tagesablauf der Frühaufsteherin einiges Platz finden: der Freund, der Sport, die Familie - und auch auf Treffen mit Freunden wollte und musste Haslinger nie verzichten. Ach ja: Gelernt wurde nebenbei natürlich auch eifrig.

Sie sei schon immer strebsam und "vielleicht ein bisschen überehrgeizig" gewesen, sagt Haslinger. Hauptmotivation für ihr Turbostudium war allerdings der Andrang an der Medizinuniversität. Darauf hatte Haslinger nämlich überhaupt keine Lust. Dass sie jetzt mit einundzwanzig bereits fertig ist, ist für sie fast selbstverständlich: "Ich wüsste nicht, wie ich die Zeit anders nützen hätte sollen."

Ebenfalls angetrieben habe sie der eigene Kinderwunsch: Gerade als Ärztin mit der langen Ausbildungsdauer müssten Studium, Praxis und das Sammeln von Berufserfahrung davor gut eingeplant werden. Mit acht statt zwölf Semestern (Mindeststudienzeit) Medizin hat sich Haslinger jedenfalls einen ordentlichen Vorsprung gesichert.

Erster und zweiter Studienabschnitt wurden zudem mit Auszeichnung abgeschlossen. Und: Sie ist bei allen Prüfungen, für die sie sich angemeldet hat, erschienen. Im Rektorat der Universität Wien gilt auch das als nicht alltäglich.

Für eine gute Ausbildung könne man auch Geld zahlen - wenn die Gegenleistung stimmt, sagt Haslinger. Da dies noch nicht der Fall ist, hat sie eben Gas gegeben. (Karin Moser, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 7./8.8.2004)

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