Facettenreiche Debatte quer durch Europa

2. September 2004, 15:05
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Ausgehend von Deutschland hat die Diskussion über längere Arbeitszeiten sukzessive halb Europa erfasst - ein Überblick

In Frankreich ist die Diskussion um eine Aufweichung der 35-Stunden-Woche entbrannt. Staatspräsident Jacques Chirac hat aber am Nationalfeiertag erklärt, die 35-Stunden-Woche werde im Grundsatz nicht angetastet, sie solle jedoch flexibler gestaltet werden können.

In den Niederlanden hat die Diskussion über eine Verlängerung der Arbeitszeit erst allmählich begonnen. Ein erster praktischer Fall hat sich beim Büromöbelhersteller Smaed Europe BV ergeben. Dort wird seit 1. August 40 Stunden statt der bisher 36 Stunden gearbeitet werden, ohne Lohnausgleich. Die Gewerkschaft will klagen.

In Dänemark löst die deutsche Arbeitszeitdebatte Erstaunen aus. Die tarifliche Wochenarbeitszeit liegt bei 37,5 Stunden. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind zu großer Flexibilität bereit, wenn es die Lage erfordert.

In Belgien hat die Arbeitszeitfrage nach der Siemens-Entscheidung, in zwei deutschen Werken die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich einzuführen, für einige Schlagzeilen gesorgt. Siemens hat auch Niederlassungen in Belgien. Praktische Auswirkungen hat die Debatte bisher nicht gehabt.

In Spanien gibt es die Arbeitszeitdiskussion so nicht. Hier ist das große Thema eine Arbeitsmarktreform, die die neue sozialistische Regierung mit den Gewerkschaften aushandeln will. Ziel ist es, die große Zahl befristeter Verträge zu reduzieren.

In Griechenland und Zypern gilt die 40 Stunden-Woche. Eine Arbeitszeitverlängerungsdebatte gibt es bisher nicht.

Aus Deutschland ist die Debatte auf Österreich übergeschwappt. Mit 38,5 Stunden wird in Österreich länger gearbeitet als in Deutschland mit einer tariflichen Wochenarbeitszeit von durchschnittlich 37,7 Stunden. Die heimische Debatte ging in alle möglichen Richtungen los: Von der Verlängerung der Arbeitszeit (IV-Präsident Sorger), über die Abschaffung von Feiertagen (Finanzminister Grasser) bis zur Ladenschlussdebatte spannt sich der Bogen. (miba, dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.8.2004)

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