Rund 30.000 Abbrüche pro Jahr

7. Oktober 2004, 11:45
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In Korneuburg wird auch medikamentöse Abtreibung angeboten - mit Grafik

Wien - Er würde in der Abtreibungsdebatte eine Lösung, wie es sie in Frankreich bereits gibt, befürworten: Peter Safar, Primarius am Krankenhaus Korneuburg plädiert dafür, dass mindestens ein Arzt/eine Ärztin pro Station Abtreibungen durchführt, oder einmal pro Woche extra zu diesem Zweck an das Krankenhaus kommt.

Dafür wurde er auch schon von Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) kontaktiert. In Korneuburg - eines von mehreren niederösterreichischen Spitälern, an dem Frauen straffrei abtreiben können - machen zwischen 200 und 300 Betroffene jährlich davon Gebrauch (siehe Grafik). Safars Abteilung bietet zudem als einzige österreichweit auch medikamentösen Schwangerschaftsabbruch an. Und das bis zur vierzehnten Schwangerschaftswoche: "Es werden viele sagen, bis zur zwölften Woche, was aber nicht stimmt. Im Gesetz steht drei Monate nach der Einnistung", sagt Safar im Gespräch mit dem STANDARD. Auch damit ist man absolute Ausnahme.

Benachteiligt

Da in Westösterreich kein einziges Landesspital Schwangerschaftsabbrüche durchführt, weichen viele Frauen nach Wien, Linz, Graz oder Niederösterreich aus. Die erfassten Fälle variieren dabei ebenso wie der finanzielle Aufwand, den die Betroffene dafür leisten muss:

Am AKH Linz kommen rund 85 Prozent der im Vorjahr 1283 Frauen aus Oberösterreich. Jeder Gynäkologe/jede Gynäkologin der Abteilung hat sich vor seiner Aufnahme am Spital dazu bereit erklärt, Abtreibungen durchzuführen. Die Schwangere muss dafür 403,33 Euro bezahlen.

Am Landeskrankenhaus Graz muss man mit rund 560 Euro rechnen. In Korneuburg werden 320 Euro verlangt. Der Hauptteil der Betroffenen entscheidet sich hier für den medikamentösen Schwangerschaftsabbruch, sagt Primar Safar. Insgesamt könne davon ausgegangen werden, dass die Zahl der Abtreibungen etwa der Hälfte bis zwei Drittel der Geburtenanzahl entspricht.

Das heißt: "Voriges Jahr hatten wir 74.000 Geburten in Österreich, man kann also damit rechnen, dass 25.000 bis 30.000 Abbrüche pro Jahr durchgeführt werden." Davon würden aber nur 7000 bis 8000 "zugegeben in den Spitälern gemacht", kritisiert Safar die mangelnde landesweite Versorgung. (Karin Moser/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.7. 2004)

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