Hetzjagd gegen Manhunt-Entwickler Rockstar

24. Oktober 2004, 16:06
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Nach Mord an britischem Jugendlichen flammt Diskussion um Gewaltspiele neu auf - US-Abgeordneter will Spielefirma "zerstören"

Die Spiele-Entwickler von Rockstar Games, Hersteller von GTA, Manhunt und Max Payne, sehen sich derzeit in England und den USA einer regelrechten Hexenjagd ausgesetzt. Ein US-Abgeordneter will das Softwareunternehmen sogar "zerstören".

Mord an einem Teenager

Die Gründe für herbe Kritik und die Anfeindungen liegt in einem schrecklichen Ereignis in England. Dort wurde ein 14-Jähriger von einem 17-Jährigen brutal ermordet. Die Eltern des Opfers und die Medien hatten schon bald den Schuldigen hinter dieser brutalen Gewalttat entdeckt - das heftig umstrittene Computerspiel "Manhunt". Allerdings - und dies ist eine neue Dimension in der Diskussion um gewaltverherrlichende Computerspiele - hatte nicht der Täter sondern das Opfer eine Kopie von "Manhunt" bei sich zuhause.

"Manhunt"

Das umstrittene Spiel, das in England erst ab 18 Jahren erhältlich, in Deutschland gar verboten wurde, ist tatsächlich extrem brutal. Ein zum Tode Verurteilter bekommt noch eine Chance und muss in sich einem perversen Spiel um Leben und Tod durch eine Stadt kämpfen. Dabei werden Plastiksäcke, Gitarrenseiten und Ähnliches als Waffen eingesetzt. Der Vorfall in England und die Medienberichterstattung schlugen Wellen bis in die USA. Dort hat der bekannte US-Anwalt John W. Thompson der Sache angenommen und angekündigt Rockstar zu "zerstören". Thompson hat die Spielebranche schon lange im Visier und dürfte nun seine Chance gekommen sehen. In einem Interview meinte er: "Diese Menschen werden nicht aufhören, diese Spiele an Kinder zu vermarkten und da sie nicht auf die Vernunft hören, da sie nicht mal mit mir und anderen kommunizieren, werden wir sie zerstören, so einfach ist das. David hat mit Goliath nicht diskutiert, der hat ihn getötet."

Polizei und Verband

Der britische Softwareverband ELSPA hat sich mittlerweile hinter Rockstar Games gestellt und erneut bekräftigt, dass gewaltverherrlichende Spiele nicht für Gewalt unter Kindern und Jugendlichen verantwortlich gemacht werden können. Auch die britische Polizei sieht keinen Handlungsbedarf gegen die Spiele-Entwickler. Der Media Services Officer der Leicestershire Police meinte: "Wir haben das Spiel nicht mit dem Mord in Verbindung gebracht und wir haben dies auch vorher schon gesagt, doch einige Berichte der Medien scheinen dies zu ignorieren. Das Motiv war Diebstahl".(grex)

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    screenshot: gp
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