"Nachprüfungen sind unsinnig"

17. September 2004, 11:56
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Über 40.000 SchülerInnen lernen im Moment für ihre Wiederholungsprüfungen- die Nachhilfeinstitute verdienen gut daran

Nachhilfe, vor allem in den Fächern Mathematik und Fremdsprachen, hat sich zu einem beträchtlichen Wirtschaftszweig entwickelt. Die Kosten für eine Einzelstunde sind teilweise enorm, wie eine Untersuchung beweist.

Millionen für bessere Noten

Mehr als 57 Millionen Euro geben Österreichs Eltern für die Nachhilfe ihrer Kinder aus. Mittlerweile sind die Ausgaben fünfmal so hoch wie noch vor drei Jahren. Die Tarife der Lerninstitute weisen wesentliche Preisunterschiede auf. In Einzelfällen sind Tarife bis zu 80 Euro pro Stunde möglich. Billiger ist die private Nachhilfestunde, für die man im Durchschnitt knapp 20 Euro bezahlt - wohl auch, weil es für Privatstunden selten eine Rechnung gibt.

Jeder Zweite braucht Nachhilfe

Am teuersten ist Nachhilfe in Mathematik oder kaufmännischen und technischen Fächern. Auch wer Lerndefizite bei einer Fremdsprache hat, muss mehr bezahlen, als für andere Fächer. Laut Arbeiterkammer kommt ungefähr die Hälfte aller AHS Schüler nicht ohne Nachhilfe aus. Vor allem die bevorstehenden Nachprüfungen veranlassen viele Eltern dazu, noch mehr zu investieren.

Soziale Selektion

Die AKS (Aktion kritischer SchülerInnen) zeigt sich durch die Nachhilfekosten, die auf Grund der Wiederholungsprüfungen anfallen, beunruhigt: "Bei Stundensätzen bis zu 40 Euro stehen sozial schwächer gestellte Familien schnell an. Ausgleichmöglichkeiten gibt es kaum", so die Vorsitzende Kim Kadlec.

Die kurzfristige Forderung der AKS lautet daher, das Sitzenbleiben abzuschaffen und die 300 Mio Euro, die das Sitzenbleiben dem Bund kostet, in begleitende Fördermaßnahmen zu investieren. "So könnten Lerndefizite ohne unerträgliche Nebenwirkungen nachgeholt werden", ist Kadlec überzeugt.

Nicht mehr zeitgemäß

"Die Nachprüfungen sind völlig unsinnig", erklärt Kim Kadlec. Eine Reform sei längst überfällig. "Für die meisten der betroffenen SchülerInnen sind die Sommerferien eine Zeit voll Angst und Befürchtungen", erläutert Kadlec. So drohe nicht nur der Verlust eines Schuljahres, sondern auch der des sozialen Umfelds.

"Die bloße Möglichkeit des Sitzenbleibens schafft Frustration und Angst. Zwei Dinge, die moderne Pädagogik verhindern sollte", so Kadlec. (apa,az)

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