"I, Robot": Die Zukunft sieht alt aus

26. März 2005, 22:44
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Alex Proyas' aufwändiger SciFi-Thriller "I, Robot" vermeidet Philosophie und flüchtet sich lieber in bombige Actionsequenzen

Mit Isaac Asimovs philosophischen Überlegungen über "Artificial Intelligence" hat Alex Proyas' aufwändiger SciFi-Thriller "I, Robot" letztlich nicht viel am Hut - und flüchtet sich lieber in bombige Actionsequenzen.


Wien - Mitten in der Zukunft hängt einer noch unübersehbar an der Vergangenheit: Wir schreiben das Jahr 2035 in Chicago, und Del Spooner lässt sich wie in Kindertagen von Oma bekochen, hört den jungen Stevie Wonder, trägt Retro-Sneaker und lenkt seinen futuristisch aufgemöbelten deutschen Importwagen wie in alten Zeiten selber.

Der Hang zum Vergangenen hat eine dunkle Seite. Deshalb muss Spooner (Will Smith) auch gleich einmal seine konditionelle Höchstform unter Beweis stellen und zu Fuß einem Roboter hinterherjagen. Wie in Men in Black ist der Verfolgte nicht das, was er zu sein scheint (ein flüchtiger Handtaschenräuber). Anders als in Men in Black müsste der Held das diesmal aber wissen. Denn Roboter sind per Programmierung dazu angehalten, sich unter keinen Umständen gegen ihre menschlichen Halter zu wenden.

Isaac Asimov, Biochemiker und Sciencefiction-Autor, hat sich diesen Verhaltenskodex, die "three laws of robotics", einst im Zuge einer fantastischen Robotersaga ausgedacht. Ins Kino kommt mit Alex Proyas' I, Robot nun ein Amalgam aus Asimovs Romanen und Erzählungen, die gerne um Fehler im System menschlicher Logik kreisen.

Verschwörung

Im Film gehört Detective Spooner zu jenen Traditionalisten, die den massenweise hergestellten dienstbaren Geistern gründlich misstrauen. Als der greise Wissenschafter Dr. Lanning (James Cromwell) Selbstmord begeht, wittert der Ermittler sofort eine Verschwörung der künstlichen Intelligenz und startet einen wilden Alleingang.

Das scheint zunächst ein bisschen unverhältnismäßig, erlaubt der 150-Millionen-Dollar-Produktion aber bombige Actionsequenzen: Mitunter fliegt einem dann eine ganze viktorianisch anmutende Villa um die Ohren.

Andererseits - und das gehört zu seinen interessantesten Facetten - hält I, Robot neben den reinen Schauwerten (und ihrer Zerstörung) beständig auch die sinnlichen Qualitäten von Materialien präsent: akustisch, wenn Smiths Lederoutfit bei jedem Schnitt knirscht oder seine Gummisohlen auf glatten Böden quietschen. Visuell über den gestählten Heldenkörper, den Narben zeichnen und der unter seinem künstlich wiederhergestellten Hautmantel nicht nur eine Hightech-Prothese, sondern auch traumatische Erinnerungen birgt.

Das Spiel mit der Unverwechselbarkeit als Qualität und Bürde, das geht aber in Bezug auf den futuristischen Gesamtentwurf ganz gründlich daneben. Die Roboterformationen etwa, die leblos in strenger Symmetrie auf die Auslieferung warten oder als massenhafter Angreifersturm auftreten, lassen recht schnell an Computerspiele denken.

Ähnlich wie in einem Ballerspiel werden sie dann auch einfach abgeschossen. Und dass Methoden psychischer Folter, ein elektrischer Stuhl für Roboter und ein Getto für ausgemusterte Modelle letztlich nur die ethische Unvollkommenheit der Menschen vor Augen führen sollen, wirkt auch reichlich vordergründig. Dafür hat der altmodische Held an all diesen altmodischen Dingen vorher viel zu viel Spaß gehabt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 8. 2004)

Von
Isabella Reicher

Link

irobotmovie.com

  • Artikelbild
    foto: centfox
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