Die Folteraffäre im Gefängnis Abu Ghraib

4. Dezember 2004, 17:01
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Berichte über Misshandlungen sorgten seit April für Aufsehen

Hamburg - Berichte über Misshandlungen und Demütigungen irakischer Gefangener im Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad haben seit Ende April für Aufsehen gesorgt. Der Verlauf der Affäre im Einzelnen:

13. Jänner: Ein US-Militärpolizist meldet seinen Vorgesetzten Misshandlungen an Gefangenen. Bereits am nächsten Tag soll US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld informiert worden sein, Ende des Monats oder Anfang Februar auch Präsident George W. Bush.

3. März: Ein geheimer interner Ermittlungsbericht bestätigt Folterungen und ungesetzliche Verhörmethoden.

28. April: Im US-Fernsehen werden Bilder von Misshandlungen gezeigt, die international Empörung auslösen.

4. Mai: Rumsfeld und US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice versprechen, dass die Schuldigen bestraft würden.

5. Mai: In Interviews mit zwei arabischen Fernsehsendern nennt Bush die Vorfälle "abscheulich". Rice und General Mark Kimmitt, Sprecher der US-Streitkräfte im Irak, entschuldigen sich.

7. Mai: Rumsfeld erklärt vor dem Senat, er übernehme die volle politische Verantwortung und entschuldige sich "zutiefst".

12. Mai: Die Enthauptung des entführten Amerikaners Nick Berg wird von den Tätern als Reaktion auf die Folterungen bezeichnet.

14. Mai: Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz räumt mögliche Verstöße gegen die Genfer Konventionen ein.

19. Mai: Im ersten Prozess um den Skandal wird der Militärpolizist Jeremy Sivits zur Höchststrafe von einem Jahr Haft verurteilt.

25. Mai: Das Pentagon bestätigt, dass der Oberkommandierende der US-Truppen im Irak, General Ricardo Sanchez, und die für Abu Ghraib zuständige Brigadegeneralin Janis Karpinski abgelöst werden.

12. Juli: Die Anhörung gegen die Soldatin Lynndie England, die auf zahlreichen Fotos mit misshandelten irakischen Gefangenen zu sehen ist, wird für den 3. August angesetzt.

23. Juli: Heeresinspektor Paul Mikolashek legt dem US-Senat einen Bericht vor, im Irak und in Afghanistan seien 94 Fälle von erwiesenen oder möglichen Gefangenenmisshandlungen registriert worden. (APA/dpa)

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