"Ruby & Quentin": Die Tölpel vom Dienst

26. März 2005, 22:50
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Francis Veber schickt Gérard Depardieu und seinen Kumpel Jean Reno als "Ruby & Quentin" auf turbulente Flucht

Wien - Ein Multiplex-Saal voller kreischender Gören und mittendrin ein flüchtiger Bankräuber, der sich über Ausrutscher in Ice Age halb kaputt lacht - so charakterisiert man einen Antihelden als kindliches Gemüt und hat gleich einmal angedeutet, was man im Kino nicht alles komisch finden kann.

Unmögliche blaue Bademäntel, ein Furzkissen oder eine muhende Dose zum Beispiel: Das ist nicht viel, aber ein gut gelaunt exaltierender Gérard Depardieu und sein mühsam die Fassung wahrender Kumpel Jean Reno machen daraus practical jokes, die erstaunlich gut aufs Zwerchfell wirken.

Kennen gelernt haben die beiden einander zuvor in einer Gefängniszelle. Dort hat den einfältigen, dauerredenden Quentin (Depardieu) eine innige Zuneigung zu seinem wortkargen Zellengenossen Ruby (Reno) erfasst, die ihn fortan nicht mehr von dessen Seite weichen lässt. Die von Quentin organisierte Flucht droht bald auch Rubys Rachepläne an einem Unterweltboss zu sabotieren.

So weit der Hintergrund für einen Unterhaltungsfilm, der es in Frankreich vergangenen Winter immerhin bis an die Spitze der Box-Office-Charts geschafft hat. Der Autor und Regisseur von Ruby & Quentin (im Original Tais-toi!, also: "Sei ruhig") heißt Francis Veber. Und Veber, Jahrgang 1937, schreibt seit den 70er-Jahren regelmäßig französische Erfolgskomödien.

Eine seiner ersten - und immer noch eine seiner besten - hieß Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh (1972, Regie: Yves Robert), und die machte nicht nur ihren Hauptdarsteller Pierre Richard berühmt. Ein Jahr später folgte Edouard Molinarios Die Filzlaus mit Lino Ventura und Jacques Brel. Der in diesem Film ausgespielte Antagonismus zweier Protagonisten - damals: ein Profikiller und sein suizidaler Zimmernachbar - wurde zu Vebers Spezialfach.

Mitte der 70er begann er, seine mehr oder weniger komischen Buddymovie-Variationen zum Teil auch selbst zu inszenieren. In Hollywood entstanden erste Remakes wie etwa Billy Wilders Buddy, Buddy (1981). In Frankreich wiederum profilierte sich vor allem das Paar Richard/Depardieu als Interpretenduo von Vebers breitenwirksamen Komödienstoffen.

Rollentausch

Mit Jean Reno hat Depardieu nun einen neuen Partner erhalten, quasi die Seiten gewechselt und Richards Tölpelrolle übernommen. Das ungleiche Duo, zusammengehalten von Affenliebe und äußeren Zwängen, plus eine Hand voll Stars in Nebenrollen (André Dussollier, Richard Berry, Aurelien Recoing) ergeht sich also in Täuschungsmanövern, Verfolgungsjagden und ähnlich haarsträubenden Aktivitäten, die man hauptsächlich aus dem Kino kennt.

Vebers Komödien sind sich in dieser Hinsicht treu geblieben. Der Autor ist ein konservativer Handwerker, der die Detailarbeit an (nicht immer ressentimentfreien) Gags und Dialogen in den Vordergrund stellt. Alles Weitere ergibt sich ausgehend von den gut gewählten Akteuren und dem längst standardisierten Figurenrepertoire. Seiner unauffälligen Machart gemäß könnte Ruby & Quentin genauso gut auch aus den 70ern stammen.

Das Fernziel der beiden Helden, nämlich sich in der Provinz mit einem gemütlichen Bistro namens "Zu den zwei Freunden" endlich aus dem anstrengenden Delinquenten-und Komikerdasein zurückzuziehen, wird vor diesem Hintergrund plausibel.

Über ein US-Remake von Ruby & Quentin wird allerdings angeblich schon verhandelt. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.8.2004)

Von
Isabella Reicher

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    foto: cinestar
  • Den Kollegen Ruby (Jena Reno, li.) hat er schon krank geredet: Nun nimmt Nervensäge Quentin (Gérard Depardieu, re.) den Gefängnispsychiater (André Dussollier, M.) ins Visier.
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    Den Kollegen Ruby (Jena Reno, li.) hat er schon krank geredet: Nun nimmt Nervensäge Quentin (Gérard Depardieu, re.) den Gefängnispsychiater (André Dussollier, M.) ins Visier.

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