Alkopops unter Beschuss

15. Dezember 2004, 18:20
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Zu lasche Alterskontrollen in Supermärkten, immer mehr junge Alkolenker auf den Straßen, immer jüngere Konsumenten: Handlungsbedarf besteht auch in Österreich

Für Kinder und Jugendliche ist es ganz einfach, in Supermärkten Alkohol zu kaufen. Das zeigten die Tests, die die Konsumentenschützer der niederösterreichischen Arbeiterkammer durchgeführt haben. Vor genau einem Jahr wurden die schockierenden Ergebnisse veröffentlicht: In 32 von 40 Supermärkten konnten 12- und 13-jährige Kinder problemlos Alkohol kaufen.

Immer noch verharmlost

"Mit dem Thema Alkohol wird in Österreich bereits bei Jugendlichen erschreckend sorglos umgegangen", meint AKNÖ-Präsident Josef Staudinger zu den heute vom ÖAMTC veröffentlichten Zahlen, wonach jeder zweite Alkohollenker, der in einen Unfall verwickelt ist, zwischen 18 und 24 Jahre alt ist.

"Alarmierend ist für uns einerseits, dass auch Kinder und Jugendliche problemlos Alkohol kaufen können. Andererseits fehlt es offenbar an der Bewusstseinsbildung. Wie gefährlich die Auswirkungen von Alkoholkonsum sind, wird Kindern und Jugendlichen offenbar weder von Eltern, noch von Lehrern ausreichend vermittelt", kritisiert Staudinger.

Sondersteuer auf Mix-Getränke

Höhere Steuern auf Alkopos wie in Deutschland sind für die AKNÖ nur ein Weg im Kampf gegen Alkohol am Steuer. Es müssten nach Ansicht von AKNÖ-Konsumentenschützerin Dr. Eva Schreiber vor allem die Bewusstseinsbildung forciert werden: "Nur die Steuern zu erhöhen, wäre zwar ein nettes Körberlgeld für den Finanzminister, aber sicherlich noch nicht die Lösung des Problems". 

Seit diesem Montag wird in Deutschland auf die bei Jugendlichen beliebten alkoholischen Mischgetränke die Sonderabgabe von 80 oder 90 Cent je Flasche erhoben. Die deutsche Regierung erhofft sich aus der neuen Sondersteuer auf Alcopop-Mixgetränke Zusatzeinnahmen von rund fünf Mio. Euro bis zum Jahresende.

Einheitliche Bestimmungen

Wichtig wäre in diesem Zusammenhang auch eine Vereinheitlichung der Jugendschutzbestimmungen, betonte SPÖ-Jugendsprecherin Elisabeth Grossmann. Derzeit existieren unterschiedliche Vorschriften ab welchem Alter welche Getränke erworben werden können. Auch ist eine Änderung der Kennzeichnung der Getränke dringend notwendig. "Es geht immerhin um die Zukunft und die Gesundheit unserer Jugend".

Bisher ist in Österreich der Jugendschutz nicht einheitlich geregelt. Alle neun Bundesländer haben eigene Jugendschutzgesetze. Für Kinder und Jugendliche gilt immer das Gesetz jenes Bundeslandes, in dem sie sich gerade aufhalten.

Der Forderung zahlreicher Jugendschutzorganisationen nach einer Vereinheitlichung haben bisher nur die Bundesländer Wien, Niederösterreich und Burgenland entsprochen und ihre Jugendschutzgesetze aufeinander abgestimmt - dort ist es 16-jährigen erlaubt, alkoholische Getränke zu erwerben und zu konsumieren. (apa,az)

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