Man lädt sich gerne Gäste ein . . .

8. September 2004, 14:55
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Concentus musicus und die Bamberger Symphoniker bei den Salzburger Festspielen

Salzburg - Werke Johann Sebastian Bachs, aufgeführt in Mozart-Salzburg sind von alters her eine Provokation, zumal in einer katholisch geprägten Welt zwischen Kirche, Glaube, Bekenntnis oder auch nur der steuerpflichtigen Zugehörigkeit. Doch immer dann, wenn mit der Rede vom größten, einzigen Komponisten - nämlich von Mozart - gesprochen und geschwärmt wird, dann scheint es mehr als gegeben zu sein, die schier übermächtige Lebensleistung, das Genie Bachs, in Erinnerung zu rufen.

Dessen Kunst hat ja auch das Wirken, vor allem aber die ästhetische Moral Mozarts beeinflusst. Unter diesem Blickwinkel darf der Besuch eines "Gastorchesters" bei den Festspielen nicht nur als willkommen bezeichnet werden, sondern als wichtige Essenz in der Vielfalt des Gebotenen.

Genauer: nicht nur Genuss ist vorbestimmt dank zweier Kantaten und der beliebten D-Dur-Ouvertüre samt elegisch-pazifistischen "Air", sondern auch eine gehörige Portion Bildung - ein Begriff, der in den industriellen und gesamtgesellschaftlichen Prozessen leider immer mehr an Bedeutung verliert. Der Mensch ist ja nicht mehr gebildet, sondern allenfalls qualifiziert . . . Nikolaus Harnoncourt, dem mit den Kantaten BWV 201 (Der Streit zwischen Phoebus und Pan) und BWV 211 (Kaffeekantate) ein - auch moderiertes! - Erleben im Spannungsfeld von Bildung und emotionaler Unbekümmertheit zu verdanken war, ist auch nach mehr als 50 Jahren "Concentus musicus" die Flamme der Erkundung und der Übermittlung nicht ausgegangen.

Stilistisch eingeschworene und im Singen redegewandte Solisten wie Christine Schäfer, Birgit Remmert, Michael Schade oder Oliver Widmer hatten ihre Freude am dramatischen Spiel unter dem Diktat eines Komponisten, der trotz Perücke ein mit ewiger Zukunft bedachter Zeitgenosse geblieben ist. Im Kreis der Festspiel-Gastorchester tauchen in den letzten Jahren auch Ensembles auf, die sich mehr durch programmatische Verwendbarkeit auszeichnen als durch Spitzenklassigkeit. Wenn es der Repertoireerkundung dient, mag man das hingehen lassen.

Und so war es auch, als die Bamberger Symphoniker mit ihrem Chor Wichtiges von Mahler (Adagio aus der Zehnten, Totenfeier), vor allem aber Werke von Ligeti aufführten - mit dem Requiem als ambitioniertem Schlusspunkt eines wenig heiteren Gastrepertoires. (coss/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. 8. 2004)

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