Schuldzuweisungen nach Verschiebung der irakischen Nationalkonferenz

31. Juli 2004, 21:09
2 Postings

Heftige Kritik an UNO-Vertreter Benomar

Bagdad - Nach der Verschiebung der für Samstag geplanten irakischen Nationalkonferenz um zwei Wochen wird von verschiedenen politischen Gruppen in Bagdad Kritik an der Entscheidung geübt. Je nach politischer Zugehörigkeit wurden dabei entweder der Druck von Seiten der UNO-Delegation in Bagdad oder Manipulationen und Unregelmäßigkeiten bei der Wahl der 1000 Delegierten der Konferenz für die Verschiebung verantwortlich gemacht. Die Verzögerung war damit begründet worden, dass mehr Zeit für Verhandlungen mit konferenzkritischen Kräften gewonnen werden soll.

Zu diesen zählen vor allem die Bewegung des radikalen schiitischen Predigers Muktada el Sadr und die den Aufständischen im "sunnitischen Dreieck" nahe stehende Vereinigung Islamischer Rechtsgelehrter. Der UNO-Vertreter im Irak, Jamal Benomar, hatte darauf gedrungen, sie einzubinden, um die politische Basis der Nationalkonferenz zu verbreitern. Die Konferenz soll einen 100-köpfigen Nationalrat wählen, der zwar wenig Kompetenzen hat, aber der Übergangsregierung von Iyad Allawi beratend und kontrollierend zur Seite stehen wird.

"Negative Entwicklung"

Vertreter jener ehemaligen Exilparteien, die die heutigen, US-eingesetzten Regierungsstrukturen dominieren, übten heftige Kritik an Benomar, auf dessen Druck die Verschiebung zurückzuführen sei. "Das ist eine negative Entwicklung", erklärte Scheich Jalal Aldin al Sahir, ein Funktionär des schiitischen Obersten Rates der Islamischen Revolution im Irak (SCIRI) in seiner Freitagspredigt.

Kritiker bemängelten wiederum, dass SCIRI und fünf andere Parteien, die schon mit der - am 28. Juni formal beendeten - US-Besatzung zusammenarbeiteten, die Delegiertenwahlen strikt kontrolliert und zum Teil manipuliert hätten. (APA/dpa)

Share if you care.