Bekenntnisse in Pink

22. Oktober 2004, 22:50
2 Postings

Ein Blick in die Regale der diversen Weinhandlungen deutet darauf hin, dass man hierzulande in diesem Nicht-Sommer auf den Rosé gekommen ist

Ein Blick in die Regale der diversen Weinhandlungen deutet darauf hin, dass man hierzulande in diesem Nicht-Sommer auf den Rosé gekommen ist. Grund genug, österreichische Rosés mit internationalen Klassikern zu vergleichen.


Will man sich unter Weintrinkern so richtig blamieren, dann bekenne man öffentlich, dass man freiwillig und ohne z. B. an STANDARD-Weintests teilzunehmen, rosafarbene Weine trinkt. In Österreich gilt Rosé als Nicht-Fisch-nicht-Fleisch-Wein. Bei vielen Winzern war er eine Art Mitläufer für Ab-Hof-Käufer, wird aber dieses Jahr bewusster positioniert. In Regionen mit Rosé-Tradition wie Südfrankreich oder der Iberischen Halbinsel schätzt man ihn als fruchtig-süffigen Essensbegleiter.

Rosé entsteht aus Rotweintrauben, die entweder in der Verarbeitung wie Weißwein behandelt werden ("weißgepresst") oder per Saignée-Verfahren (saigner frz. bluten): Seihmost - säure- und zuckerreich, aber mit wenig Extrakt - der erste Saft der ohne Pressdruck entsteht, wird abgezogen. Der Kontakt zur Schalenhaut ist kurz, daher die Farbe. Ein Rotwein-Weißwein-Verschnitt ist in Österreich nicht erlaubt. Gute Rosés sind trocken oder haben einen Zuckerrest. In jedem Fall sollten sie frisch und fruchtig riechen und schmecken und an helle Beeren wie Erd- oder Himbeeren erinnern. Unterlegt mit etwas Säure und zarten Bitteraromen können sie bei warmen Temperaturen sehr erfrischend wirken.

Getestet wurden die folgenden 15 Weine in der beschriebenen Folge. Schilcher wurde, da eine eigene Liga, ausgelassen. Zwei "liebliche" Weine wurden dazwischen gereiht. 10 Punkte Bewertung: 0-2 einfacher, sauberer Wein; 2,1 bis 5 gutes Produkt 5,1 bis 8 überdurchschnittlich, 8,1 bis 10 hervorragend, perfekt.
1. Bründlmayer "Langenloiser Rosé" Zweigelt, 2003, trocken, 12 %; 9,23-10,25 € (Wein& Co)
Teils "weißgepresst" aus mittelreifen Trauben der besten Lagen, teils aus Seihmost hochreifer Trauben. Erdig, für österreichischen Geschmack niedrige Säure (Jahrgang?), nicht sehr prägnant; zu Beginn fast unangenehm riechend, dann nach Traubensaft
3,3

2. Mateus Rosé, lieblich, ohne Jahrgang, Sogrape, Portugal, ca 4,70 € (in div. Supermärkten)
In Massen produzierter Exportklassiker: frisch, moussierend-spritzig, würzig; "sauer macht lustig", erinnert an Soda-Himbeer, am besten wahrscheinlich mit Eiswürfel, Open-Air-Typus; erdbeerig, Weichsel
5

3. Frescobaldi "Castiglioni" 2003, trocken, Rosato Toskana IGT; 12 %, ca 8 €
Wurde als gewöhnungsbedürftig, aber im Endeffekt gut eingestuft; ein Liebe-mich-hasse-mich-Wein; lang; leichte Himbeeraromen; leichtes Holz, wenig Frucht - sehr interessant; "Tanninator"; etwas bitter im Geschmack; nahe am Rotwein
5

4. Fred Loimer, Rosé, trocken, 2003; Zweigelt, 12 %, 6,50 € ab Hof
Rosa Gesamtkunstwerk - übereinstimmend wurde die Farbgebung (Wein und Etikett) honoriert: riecht nach Hollunder; wie man ihn sich vorstellt: frisch und saftig; dezente, feine Frucht - apart; sehr harmonisch: dezente Hintergrundmusik, leicht bitter
5,9

5. Günter Triebaumer, Blaufränkisch Rosé, lieblich, 2003; 12 %, 6,99 € (Wein & Co)
Auffallend hellrosa mit Gelbreflexen; sieht aus "wie ein französisches Boudoir aus galanter Zeit"; Duft nach Rosen in allen Varianten: Teerose, Rosenholz; deutliche Süße, es fehlen Frische und Säure, um ihn auszubalancieren; Restsüße wirkt daneben
2

6. Les Demoiselles, 2003, trocken, Domaine Seda, 12 %, 6,80 € (The Wine Company)
Geteilte Ansichten über diesen klassischen Côtes de Provence AC: riecht nach Erdbeeren, schmeckt nicht sooo intensiv, aber frisch und gefällig; modellhaftes Geschmackserlebnis - rote Beeren, Kirsch, sehr fest, viel Körper; pikant mit gewisser Säure, aber insgesamt dennoch ziemlich glatt 5

7. Rosé trocken 2003, Zweigelt, Nadler, Arbesthal, 4 € ab Hof
Farbe zuckerlhaft - schööööön; die 12 % Alkohol einerseits dominant im Geruch, aber auch "interessant-pikant": Himbeeren, Erdbeere, vollreife Herzkirschen; schließt geschmacklich an, Länge und Struktur - verdammt gute Säure; wenig, aber lang
7,2

8. Bründlmayer Langenloiser Rosé aus Zweigelt, 2002 12 %, (Vergleich zu 1.)
Jahrgangsbedingt mehr Säure und weniger Restzucker: wirkte sowohl im Geruch als auch im Geschmack alt, spitze Säure, brotig; überreif, schmalzig; fast marmeladig-süß
2

9. Gran Feudo, trocken, 2003 (Grenache) Navarra varra DO, J. Chivite, 12,5 %; 4,99 €, empf. Verkaufspreis
Auch Navarra in Nordspanien zählt zu den prototypischen Roséregion: intensiv rubinrot; lange, lange Erdbeere im Geschmack - toll; schön herb, riecht wie Rotwein; erinnert an rote Rüben, erdig; Säure von "ein bissl zuwenig" bis "sehr balanciert"; üppig in der Nase, etwas schweißig; viel Textur, nicht bitter
6

10. Graf Hardegg, Rosé, trocken, 2003, Zweigelt, Merlot, Cabernet, 12, 5 %, 6,90 € ab Hof
Spaltet die Geister: Farbe sehr schön; Himbeere im Geruch und am Gaumen; riecht aber auch "nach eingewintertem Pelzmantel"; überwältigende Säure, fast spitz; rasante Säure bis in die Brust, aber angenehm
4,2

11. Markowitsch, Rosé trocken 2003, Göttlesbrunn 12, 5 %; 7,20 € (Radatz)
Geteilte Ansichten über diese Blaufränkisch-Cabernet-Cuvée: elegantes Altrosa; schmeckt glatt - abgesehen vom Alkohol; nix Störendes - frisch und unterhaltsam; Würze, als wäre Grüner Veltliner dabei; recht voll, aber wenig Charakter; reife Banane; gelber Wrigley-Kaugummi
5

12. Weninger, Sopron Rosé, Lage Spern Steiner 2003; Balf Ungarn, 12 %, 5,5 €
Schönes Rosa; oxidativ, Apfel; süßlich, hängt unangenehm; Maischecharakter, wenig Säure, kurz; "sweet home Alabama"
1,8

13. Rosado seco, 2003 Marqués de Cáceres, Rioja, 13 %, 7,50 € St. Urban - Gottardi
Aus Grenache und Graciano, zwei klassischen Rioja-Sorten: riecht sehr fruchtig; leicht nach Pfirsich, aber auch tabakig, kräutrige Würze; leicht bitter, aber insgesamt angenehm; Rotwein-Charakter: volle, weiche Textur mit genügend Säure, Kirsche, dezent verspielte Süße im Abgang, harmonisch
6,9

14. Manincor "La Rose de Manincor", trocken, 2003 Südtirol IGT; 13,5 %, 8,90 € ab Hof
Cuvée aus Merlot, Pinot Noir und Cabernet Sauvignon: im Geruch fruchtig, Beeren; wirkt am Gaumen etwas schal, nicht sehr charmant, eher spröde und kantig, vielleicht sogar mineralisch?,; Minzzuckerl im Geruch; interessant, aber schmeckt wie Verdauungsschnaps; Medizinalton, Eibischzuckerl
3,8

15. Böheim, Rosé trocken, 2003, Arbesthal, 13,5 %, 4 € ab Hof
Cuvée aus Zweigelt und Merlot: samtiges Rosa; intensiv und ansprechend; riecht nach: "Juhuu, lass uns heute noch Sex haben!"; frisch, aufregend, leicht beerig, Mandarine, Orangenzesten und Zitronengras im Geruch, voller Körper, zart bitter; sogar Länge!!
8,7
(DER STANDARD, Printausgabe vom 31.7/1.8.2004)

Special Thanks an die im Text genannten Weingüter und folgende Händler bzw. Importeure: Gottardi, Mounier Schlumberger und The Wine Company.

Von Luzia Schrampf.

*) Jeder Artikel spiegelt die ganz persönlichen Erfahrungen der AutorInnen wider.

  • Artikelbild
Share if you care.