Vom Machen der Politiker

30. Juli 2004, 19:28
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Mit dem Wechsel der SPÖ in die Opposition hat sich auch ihre politische Rolle in der Öffentlichkeit verändert - und damit das Aufgabenprofil des Renner-Instituts

Für die SPÖ ist das Renner-Institut in Altmannsdorf nicht nur Bildungseinrichtung und politische Akademie, sondern auch ein Symbol, das an ihre besten Jahre und die Aufbruchstimmung der 70er-Jahre erinnert.

1972 wurde der Verein "Dr.-Karl-Renner-Institut" gegründet und von der SPÖ als Träger der politischen Bildungsarbeit nominiert. Ein Jahr später erwarb der Verein das damals desolate Anwesen am Khleslplatz und ließ es in der Folge sorgfältig renovieren.

1978 zog das Renner-Institut, das bis dahin provisorisch im Haus der Arbeiter-Zeitung untergebracht war, schließlich im adaptierten Gebäude ein. 1980 wurde das von einer eigenen Betreibergesellschaft errichtete Gartenhotel Altmannsdorf eröffnet, sodass in enger räumlicher Verbindung mit dem Institut alle Bedingungen für einen modernen Seminar-und Bildungsbetrieb gegeben waren.

In der Folge erlebte das Renner-Institut eine Phase der Konjunktur auf allen Ebenen: Die SPÖ war an der Regierung, die Zahl der Abgeordneten, die für die Höhe der Förderung wesentlich ist, hoch wie später kaum noch einmal, und im Sog der Schul- und Bildungsreformen wuchs auch die Nachfrage nach Einrichtungen wie den neu gegründeten politischen Akademien.

Der Eifer der Anfangsjahre hat sich naturgemäß gelegt, ihre Berechtigung haben die Parteiakademien dennoch nicht verloren, meint SP-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures: "Im Gegenteil: Das Renner-Institut ist als Ausbildungsstätte wichtiger denn je, weil ja auch die Grundlagenarbeit, die hier geleistet wird, wichtiger denn je geworden ist."

Außerdem habe das Institut nach wie vor entscheidenden Anteil an der Ausbildung der Parteifunktionäre - auch und besonders in den Bundesländern, wo kaum eine politische Karriere, sei es auf Bezirks- oder Landesebene, ohne Aus- und Weiterbildung am Renner-Institut gemacht werde.

Wertewandel

Mit dem Wechsel zur schwarz-blauen Koalition haben sich auch die Zielsetzungen des Renner-Institutes gewandelt, meint Bures. Sie wurden, vereinfacht gesagt, von den Bedürfnissen einer Regierungspartei auf die einer Oppositionspartei adaptiert: "Eine Priorität hat dabei die Jugendakademie, in der Schüler, Studenten, Lehrlinge möglichst früh und möglichst intensiv in den politischen Diskurs einbezogen werden." Mit Alfred Gusenbauer als Parteivorsitzendem sei außerdem eine "Repolitisierung" der Sozialdemokratie in die Wege geleitet worden, an der das Renner-Institut durch seine inhaltliche Arbeit grundlegend mitbeteiligt sei: "Auch unsere Wirtschafts-, Pensions- und Bildungsmodelle wurden zum guten Teil hier entwickelt und diskutiert."

Das soll auch so bleiben, sagt der Institutsdirektor Karl Duffek. Er will das Renner-Institut nicht als bloße Coachingzentrale verstehen: "Mein persönliches Interesse ist, den sozialwissenschaftlichen Diskurs, der das Institut von seinen Anfängen an geprägt hat, nicht zu verlieren. Ich will nicht, dass wir ausschließlich Kaderschmiede sind.

Ich will ein ausgeglichenes Angebot haben, das auch den öffentlichen politischen Diskurs ankurbelt, weil es da in Österreich ohnehin ein gewisses Defizit an Akteuren gibt. Ich denke, dass es die Aufgabe der politischen Akademien insgesamt ist, da etwas zu tun." Daneben werden natürlich, wie schon bisher, weiter Politiker "gemacht". (kob/DER STANDARD, Printausgabe, 31.7./1.8.2004)

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