"Ladykillers": Verbrechen als Übertreibungskunst

26. März 2005, 22:50
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"Ladykillers": Joel und Ethan Coens Remake eines Komödienklassikers zeigt Tom Hanks als Kopf einer als Musiker getarnten Räuberbande

Wien - Goldthwait Higginson Dorr ist ein komischer Name, den man sich schwer merken kann. Tom Hanks trägt ihn in Ladykillers, der neuen Komödie der Coen-Brüder, wie sein Cape über den Leinenanzug, das so gar nicht zur Gegenwart des Films passen will: Er schmückt ihn mit einer falschen Identität, jener eines belesenen Literaturprofessors, dessen geschwungene Reden seine niederträchtigen Absichten kunstvoll verbergen.

Dass ihm Marva Munson (Irma P. Hall), eine resolute und äußerst skeptische afroamerikanische Lady, ein Zimmer vermietet, ist wohl diesem Talent zu verdanken. Dabei ist Dorr eine einzige Übertreibung, ein Überschuss an Verstellung. Und seine Glaubwürdigkeit wird nicht größer, als er im Keller des Hauses eine illustre Runde versammelt, um angeblich Renaissancemusik zu proben.

In Wahrheit planen die als Musiker getarnten Räuber hier ihren größten Coup. Sie wollen einen Tunnel in das nah gelegene Casino graben - ein ehemaliger Vietkong (Tzi Ma) ist für diesen Teil der beste Mann. Hanks hingegen leitet den Trupp als exzentrisches Mastermind, J. K. Simmons dient als Sprengstoffexperte mit Verdauungsproblemen, Marlon Wayans als HipHopper mit wichtigen Kontakten und Ryan Hurst als mental eingeschränkter Kraftlackel.

Die Selbstzerstörer

Ladykillers, das Remake einer britischen Ealing-Studios-Komödie von 1956, ist ein Caper-Movie, das vor allem als Ensemble-Kammerspiel funktioniert: Die Komik des Films liegt darin, dass zuerst das Offensichtliche beständig übersehen wird und dann das Naheliegende nicht gelingt. Im Original vermögen es Alec Guinness und seine Kumpels, sich im viktorianischen Heim einer Dame als wahre Gentlemen zu tarnen. Als sie als Gauner aufliegen, beschließen sie, die Mitwisserin zu töten - dezimieren sich aber selbst.

Joel und Ethan Coen verlegen das Geschehen in eine (imaginäre) Südstaatenwelt, ähnlich jener aus O Brother, Where Art Thou?, in der Tradition zwar hochgehalten wird, aber wie ein Pastiche unter anderen erscheint. Munson etwa gerät selbst viel zu überzeichnet, um als passender Gegensatz zu den Räubern zu dienen. Von ihrer ordinären Rechtschaffenheit zur Übertreibungskunst der anderen führt ein direkter Weg, und dafür, dass die Coens mit Vorliebe Krimikomödien drehen, fehlt diesmal erstaunlich viel Gefühl für Timing.

Die komischen Eigenschaften der Figuren erscheinen viel zu festgeschrieben - Munson sieht überall das Schlechte zuerst, sodass es kaum verwundert, wenn sie endlich einmal Recht behält. Die Zerreißprobe unter den Gaunern kommt dagegen ohne ein Maß an Verzögerung daher: Einen nach dem anderen ereilt sein Schicksal bereits, wenn er sich der alten Frau in mörderischer Absicht nähert.

Selbst die Neigung der Coens zu niederen Späßen und grotesken Einsprengseln wirkt in Ladykillers eher erzwungen. Womöglich ist der Handlungsspielraum dieses Caper-Komödienklassikers für die Filmemacher einfach zu eng. Die Qualitäten ihrer besten Arbeiten - von Fargo oder auch von The Big Lebowski - liegen ja mehr im Ausbau von Genrezusammenhängen, im Weitererfinden und Abschweifen von tradierten Erzählmustern, die mit absurden Details und Zitaten angereichert werden.

In Ladykillers kommen die Coen-Brüder jedoch mit der eher nach innen gerichteten Komik der Vorlage kaum zu recht. Anstatt eines organischen Zusammenspiels vermittelt der Film den Eindruck einer losen Folge von Gags. Sie mündet darin, dass am Ende jede Figur auf der Müllladung eines Schiffes entsorgt wird: So als wäre der Recyclingprozess in diesem Fall unwiderruflich fehlgeschlagen. (DER STANDARD, Printausgabe, 31.7./1.8.2004)

Von
Dominik Kamalzadeh

Jetzt im Kino
  • Tom Hanks als Kopf einer Truppe von als Musiker getarnten Räubern
    foto: buena vista

    Tom Hanks als Kopf einer Truppe von als Musiker getarnten Räubern

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