Der Profit und sein Preis

23. September 2004, 16:35
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Die Finanzmarktaufsicht kann Transparenz in der Anlagepolitik nicht erzwingen

Tausende Kleinanleger haben ihr Erspartes, angefeuert von omnipräsenter Werbung auf dem Fußballplatz und überzeugt von prominenten Zeugen wie Niki Lauda und Herbert Prohaska, in hochriskante Futures von Quadriga gesteckt. Auch "Kleine" können reich werden, so die implizite Botschaft. Geldvermehrung hat bis jetzt auch stattgefunden. Die spekulativen Fonds haben den Anlegern in den vergangenen vier Jahren ordentliche zweistellige Nettoerträge erwirtschaftet. Zusammengerechnet mehrere Hundert Prozent plus (vor Spesen). Heuer geht es allerdings stark zweistellig bergab. Das verkrampft vielen Kunden den Magen. Obwohl alle wissen: Das sichere Sparbuch mit jährlich 30 Prozent Ertrag gibt es nicht. Hohe Renditen heißen andererseits immer hohe Verlustmöglichkeiten.

Dauerhaftes Risiko Rot bei der Geldanlage zu sehen ist wirklich bitter. Aber es kann ja wieder grün werden. Zugrunde liegt ein dauerhaftes anderes Risiko: Die Fonds der Quadriga unterliegen nicht der Finanzmarktaufsicht (FMA) und haben beim Investieren volle Freiheit ohne behördliche Kontrolle. Die Folge: Anleger können im Katastrophenfall weder Rechte in Österreich geltend machen noch Entschädigungen fordern. Mit der FMA liegt Quadriga jetzt auch im Clinch. Die Firma habe unerlaubte Bankgeschäfte betrieben und brauche eine Bankkonzession, sagt die FMA, und setzt ihr äußerstes, gleichzeitig zahnloses Mittel ein: die Verwaltungsstrafe. Eine Transparenz der Anlagepolitik kann die FMA nie erzwingen. Nicht einmal, dass Quadriga eine Bankkonzession in Österreich löst. Mit der Niederlassungsfreiheit in der EU kann Quadriga noch immer in einem kommoderen EU-Land eine Konzession ziehen und sich auf die Niederlassungsfreiheit laut EWR berufen. (Karin Bauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.7./1.8.2004)

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