Kabale und Hiebe am Stadttheater: Zum Konflikt zwischen Haider und Pflegerl

31. Juli 2004, 15:46
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Pflegerl macht erfolgreiches Theater - Für den Geschmack des FP-Landeshauptmanns und Kulturreferenten möglicherweise zu erfolgreich

Klagenfurt - Dass sich Dietmar Pflegerl und Jörg Haider nicht riechen können, ist bekannt.

Pflegerl macht erfolgreiches Theater in Klagenfurt. Für den Geschmack des FP-Landeshauptmanns und Kulturreferenten möglicherweise zu erfolgreich. Denn das Klagenfurter Stadttheater ist eine Bastion, die er bislang nicht erstürmen konnte.

Pflegerl wiederum verteidigt sein international anerkanntes Haus frenetisch als Hort der Freiheit und nimmt sich gegenüber Haider absolut kein Blatt vor den Mund. Das wiederum reizt den "machtverliebten" (so Pflegerl) Landeshauptmann bis auf Blut. Und so ist es auch kein Geheimnis, dass er Pflegerls Intendantenvertrag, der 2007 ausläuft, nicht mehr verlängern will. Und schon mit Seebühnenzampano Renato Zanella als neuem Theaterchef liebäugelt. Nur geht das nicht ohne Zweidrittelmehrheit im zehnköpfigen Theaterausschuss.

Schlagabtausch

Nächster Akt: die Intrige. Weil auf zwei von drei der FP- entsandten Ausschussmitglieder kein Verlass ist – die beiden stehen nämlich zu Dietmar Pflegerl – wurden sie per Parteipost ihrer Funktionen enthoben und durch willfährigeres Personal (darunter Expressemann Karl-Heinz Petritz) ersetzt. Doch der Intendant wittert die Ränke.

Ein erbitterter Schlagabtausch beginnt. Pflegerl, im Gespräch mit dem STANDARD: "Ich werde diesem Lächler, hinter dem ein Menschenverächter steht, die Maske vom Gesicht reißen."

Haider, ebenfalls dem STANDARD gegenüber: "Aha, eine Neuauflage seines ewigen Mysterienspiels des Verfolgten. Wo ich doch mit landesväterlicher Güte bisher stets meine schützende Hand über das Stadttheater hielt. Aber ich unterscheide zwischen seinen künstlerischen Fähigkeiten und seinem menschlichen Defizit."

"Ich bin der Chef"

Pflegerl: "Alles nur Masche. Wir leben verdammt noch mal in einer Demokratie und nicht im Freistaat Kärnten."

Haider: "Ich bin der Chef, und er ist mein Angestellter."

Doch die Rechnung kann nicht ohne den Dritten im Bunde gemacht werden: SPÖ- Chef Peter Ambrozy. Der liegt koalitionär mit Haider in Banden. Und bestimmt daher im Theaterausschuss mit.

Derzeit sieht die SPÖ noch "keinen objektiven Grund, einen Wechsel am Stadttheater herbeizuführen". Doch insgeheim rümpft Ambrozy bereits die Nase, denn Pflegerl wagte laut anzumerken: "Für welches Geschenk bringt er Haider meinen Kopf?"

Da stellt sich weiters die Frage: Alles nur Klagenfurter Sommertheater? Vielleicht ist es doch eher ein Manöver mit sehr ernstem Hintergrund. (DER STANDARD, Printausgabe, 31.7./1.8.2004)

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