Minister: Saddam gesundheitlich prozessfähig

31. Juli 2004, 14:03
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Gestürzter Präsident leidet jedoch an Prostata-Entzündung, Leistenbruch, Sehstörungen und Blutdruckproblemen

Bagdad - Der frühere irakische Präsident Saddam Hussein hat nach Angaben eines irakischen Ministers zwar gesundheitliche Probleme, ist aber trotzdem zur Teilnahme an dem gegen ihn geplanten Prozess in der Lage. Der ehemalige Staatschef habe eine chronische Prostata-Entzündung und bekomme dehalb Antibiotika, sagte der irakische Menschenrechtsminister Bakhtiar Amin der Nachrichtenagentur AFP am Freitag, nachdem er Saddam Hussein vor wenigen Tagen besucht hatte. Der Inhaftierte sei aber durchaus in der Lage, an dem geplanten Gerichtsverfahren teilzunehmen.

Ersten Untersuchungen zufolge habe der 67-Jährige keinen Krebs, sagte Amin. Der frühere Präsident habe neben der Prostata-Entzündung auch einen Leistenbruch, "ein kleines Problem mit einem Auge" und Blutdruckprobleme, die behandelt würden. Trotzdem gehe es ihm gut - "er wirkt normal und scheint keine Probleme zu haben", sagte der Minister.

Saddam wird "sehr gut behandelt"

Amins Beschreibung zufolge wird der ehemalige Machthaber im Gefängnis "sehr gut behandelt". Alle zwei Wochen komme ein Psychologe bei ihm vorbei, einmal monatlich werde er ärztlich untersucht. Saddam Husseins Tagesablauf schilderte der Menschenrechtsminister als sehr geregelt: Drei Stunden am Tag dürfe der frühere Staatschef sich auf einem kleinen Hof aufhalten, "und er ist zum Gärtner geworden". Seine Ernährung sei "ausgewogen", es gebe drei Mahlzeiten am Tag, und Saddam Hussein esse gern Muffins. Außerdem lese er jetzt den Koran - "er, der hunderte Gläubige getötet hat", sagte Amin.

"Er hat alles, was die Gefangenen nicht hatten, als er an der Macht war", betonte der Menschenrechtsminister. Damit wolle die neue irakische Regierung zeigen, "dass wir anders sind" als die Regierung von Saddam Hussein. Trotzdem empfinde er Abscheu vor dem ehemaligen Präsidenten: "Wenn ich ihn sehe, ihn und die anderen - wenn ich diese Leute sehe, die das Blut von Millionen Irakern an ihren Händen haben, dann könnte ich mich übergeben."

Britische und italienische Medien hatten am Donnerstag unter Berufung auf Saddams jordanischen Rechtsanwalt Mohammed al Rashdan berichtet, der frühere irakische Machthaber habe einen Schlaganfall erlitten. Dafür gab es jedoch keine offizielle Bestätigung.

Saddam Hussein war im Dezember 2003 gefasst worden; Ende Juni hatten ihn die USA an die irakischen Behörden überstellt. Vor einem neu gebildeten Sondertribunal soll er sich vermutlich wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. (APA)

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