Drei Eisbrecher in erdgeschichtlicher Mission unterwegs

31. Juli 2004, 20:00
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Bohrungen nahe dem Nordpol sollen die Klimageschichte von 50 Millionen Jahren aufrollen

Bremen - Anfang August werden drei Eisbrecher die Details eines spannenden Klimaumschwungs enthüllen: Die Wissenschaftler erwarten, dass die Sedimente spannende Details eines globalen Klimaumschwungs enthüllen, von der globalen Treibhauswelt vor 50 Millionen Jahren über das Auf und Ab der Eiszeiten hin zur Jetztzeit, die vom menschlich verursachten Treibhauseffekt geprägt ist. Das berichtet das Forschungszentrum Ozeanränder.

Im Rahmen der arktischen Bohrexpedition, der Arctic Coring Expedition ACEX, sollen erstmals größere Mengen arktischer Tiefseeablagerungen zu Tage gefördert werden. Dafür sollen etwa 250 Kilometer vom Nordpol entfernt bis zu 500 Meter auf dem Lomonossow-Rücken Bohrungen durchgeführt werden. Die Sedimentpakete haben sich im Lauf der letzten 50 Millionen Jahre abgelagert und enthalten wichtige Kapitel der arktischen Klima- und Umweltgeschichte. Überreste von Krokodilen in der kanadischen Arktis und andere geologische Indizien belegen, dass die Arktis vor 45 bis 55 Millionen Jahren relativ warm und eisfrei gewesen sein muss. Heute ist das Nordpolarmeer der einzige, ständig eisbedeckte Ozean. Auf der sechswöchigen Expedition wollen die Wissenschaftler ergründen, wie und warum sich dieser Wandel vom Treibhaus zum Kühlhaus vollzogen hat.

"Weißer Fleck"

Bislang ist die Arktis buchstäblich ein weißer Fleck im globalen Klimageschehen. Packeis macht den Zugang zum Ozeanboden schwer. Fest steht jedoch, dass der hohe Norden eine wesentliche Rolle im globalen Klimasystem spielt. Meereis und grönländisches Inlandeis reflektieren einen Teil der Sonnenenergie ins All und beeinflussen so die globale Temperaturverteilung. Außerdem ist der Arktische Ozean eine treibende Kraft im Zusammenspiel jener globalen Meeresströmungen, die große Wärmemengen zwischen Äquator und den Polen transportieren. Aktuelle Beobachtungen zeigen, dass sich die Arktis derzeit erwärmt. Seit 1970 ist das Meereis von durchschnittlich 3,1 auf 1,8 Meter Dicke abgeschmolzen und die Packeisfläche ist um fünf Prozent geschrumpft. Das entspricht einer Fläche von Frankreich und Deutschland.

Das Projekt wird von 16 Ländern mitfinanziert. Die Mittel werden über die amerikanische Science Foundation, dem japanische Wissenschaftsministerium sowie durch das Europäische Konsortium für Wissenschaftliche Ozeanbohrungen bereitgestellt. (pte)

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