AUA: Verwirrung um KV-Abschluss

30. Juli 2004, 18:56
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Bordbetriebsrat ging mit vermeintlich positivem Ergebnis an die Öffentlichkeit – AUA dementiert: Kein Abschluss - Betriebsrat kontert und berät am Montag

Wien – Kurios verlief die heutige Verhandlungsrunde über einen Kollektivvertrag für das AUA- und Lauda-Air-Bordpersonal.

Der Bordbetriebsrat ging zunächst mit der Meldung über den Abschluss der Verhandlungen an die Öffentlichkeit: "Die Verhandlungen sind abgeschlossen, das Ergebnis entspricht den Sozialpartnervorschlägen vom 17. November und 30. März", so AUA-Bord Betriebsrats-Vize Karl Minhard zur APA. Wenig später folgte jedoch das Dementi seitens der Geschäftsführung: "Das ganze ist eine irreführende Meldung", sagte AUA-Sprecher Johannes Davoras zur APA. Die Vorgangsweise des AUA-Betriebsrates sei "unverständlich", die AUA sehe nun "durchaus hohen Gesprächsbedarf" mit der Gewerkschaft Handel, Transport und Verkehr (HTV) und mit der Wirtschaftskammer.

"AUA wird ruiniert"

Der Konter von Minhard: Die Ablehnung des neuen Kollektivvertrags seitens des Vorstands sei eine "bodenlose Gemeinheit. Das ist eine Katastrophe, der Vorstand ruiniert das Unternehmen, er wird die AUA noch in den Sand setzen", so der Betriebsrats-Vizechef zur APA.

Laut Minhard hat der heute vorgelegte ausformulierte KV-Entwurf sehr wohl den gemeinsam mit den Sozialpartnern am 17. November des Vorjahres und am 30. März dieses Jahres ausverhandelten Rahmenbedingungen einschließlich dem vereinbarten gemeinsamen Flugbetrieb von AUA und Lauda Air entsprochen. Deshalb seien auch weitere Verhandlungen nicht notwendig gewesen. "Wir haben alles genau 1:1 umgesetzt und der Vorstand hält sich nicht an die Vereinbarungen", sagte Minhard. Das sei eine "Sauerei", er sei "fix und fertig".

Beratungen am Montag

Dem heutigen Vertreter der AUA, Flugbetriebsvorstand Walter Bock, und dem Vertreter der Wirtschaftskammer warf Minhard vor, kein einziges Mal bei den Verhandlungen dabei gewesen zu sein und keine Ahnung vom Inhalt des neuen Kollektivvertrages zu haben. Später kündigte der Bordbetriebsrat an, bei der nächsten routinemäßigen Sitzung am Montag den Fall fachlich zu untersuchen. "Wir sind heute komplett am falschen Fuß erwischt worden, wir waren wohl zu blauäugig", so Minhard. Zum jetzigen Zeitpunkt könne er nicht sagen, ob und welche Maßnahmen es von Seiten der Belegschaft geben werde. Gleichzeitig hoffe er, dass der AUA-Vorstand bis Montag "lesen gelernt" hat, und sich die Aufregung bis dahin legen wird.

AUA wird "klärende Gespräche" suchen

Die Unternehmensleitung zeigt sich jedenfalls gesprächsbereit. "Weitere Gespräche können und sollen aus Unternehmenssicht auf Basis der bisher gemeinsam erzielten Verhandlungsergebnisse geführt werden", sagte Davoras.

Die von der Gewerkschaft HTV heute gewählte Vorgangsweise widerspreche völlig dem bisherigen, konstruktiven Verhandlungsweg. Erst am vergangenen Mittwoch sei von den Vertretern der Wirtschaftskammer ein vollständiges KV-Papier samt Anhängen an die Fachgewerkschaft HTV übergeben worden. Dieser Entwurf habe zur Gänze mit den zwischen den Sozialpartnern festgelegten Rahmenbedingungen und Beschlüssen (vom 17.11.2003 und 30.03.2004) übereingestimmt und Lösungen zu den noch in Diskussion befindlichen Punkten beinhaltet.

"Das heute von der Gewerkschaft und den Betriebsräten hinterlassene Papier wirft leider mehr Fragen auf, als es Antworten geben kann", so der Unternehmenssprecher. Laut Einschätzung der Unternehmensleitung und des Verhandlungsteams widerspreche es dem mit und zwischen den Sozialpartnern bereits vor geraumer Zeit erzielten Grundkonsens. "Wir werden gemeinsam mit der Wirtschaftskammer bei der Gewerkschaft Klärung für diese uns unverständliche Vorgangsweise suchen", so Davoras. (APA)

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