Lithium in der Alzheimer-Behandlung

31. Juli 2004, 12:00
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Brasilianische Studie stellt günstige Auswirkung des Mittels, das gegen manische Depression eingesetzt wird, fest

Philadelphia, Pennsylvania - Lithium, ein gängiges Behandlungsmittel gegen manische Depression, könnte auch bei der Bekämpfung von Alzheimer helfen. Patienten, die das Medikament zur Stabilisierung ihrer Gemütsverfassung einnehmen, weisen eine geringere Wahrscheinlichkeit auf, der Demenz zu erliegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität von Sao Paulo, Brasilien, wie das Wissenschaftsmagazin "Nature" berichtet.

Untersuchung

In den vergangenen 30 Jahren wurde Lithium verwendet, um die Gemütsschwankungen von Patienten mit bipolarer affektiver Störung, auch als manische Depression bekannt, zu kontrollieren. Aber im letzten Jahrzehnt hat ein besseres Verständnis der Wirkungsweise des Medikaments das Spektrum seiner Anwendungen erweitert. Forscher glauben, dass das simple Salz den Fortschritt degenerativer Hirnstörungen verlangsamen könnte, beispielsweise Huntington und Alzheimer. Paula Nunes und ihre Kollegen von der Universität von Sao Paulo haben 74 ältere Menschen mit manischer Depression untersucht. Vier Prozent jener Patienten, die Lithium nahmen, hatten Alzheimer, im Vergleich zu 21 Prozent der Patienten, die das Medikament nicht nahmen.

Daraus schließen die Forscher, dass eine Behandlung mit Lithium das Risiko einer Alzheimererkrankung vermindern könnte. Diese Daten präsentierten sie im Rahmen der neunten internationalen Alzheimer-Konferenz in Philadelphia, Pennsylvania. "Es mangelt an empirischen Daten, um aussagekräftige Schlüsse zu ziehen ", wendete der Alzheimer-Forscher Bart De Strooper von der Universität von Leuven in Belgien ein. Aber die Ergebnisse bekräftigen Studien an Gewebekulturen und Tieren, die andeuten, dass Lithium die zwei Kennzeichen der Alzheimer-Krankheit bekämpfen kann, nämlich Tangles (Neurofibrillenbündel) und Plaques.

Tangles und Plaques

Tangles lassen sich am besten als fadenartige Strukturen im Gehirn beschreiben. Sie bestehen aus Tau-Protein, das sich innerhalb der Zellen aufbaut und ihre Arbeit erschwert. Wenn Mäuse mit Tangles fünf Monate lang mit Lithium behandelt werden, gehen die Tau-Levels dramatisch zurück, berichteten japanische Forscher bei der besagten Konferenz. Das Team glaubt, dass das Medikament über die Blockade der Aktivität eines Enzyms nahmes GSK-3 wirkt. Im Gehirn eines Alzheimer-Patienten scheint GSK-3 die Zugabe von Phosphatmolekülen zum Tau-Protein zu veranlassen, was die Bildung von Tangles verursacht. Lithium könnte diesen Prozess verhindern.

Außerdem hilft das Präparat dabei, die Gehirne der Nagetiere von den Plaques zu befreien, jene unlöslichen Proteinablagerungen, die sich rund um die Neuronen aufbauen und deren Kommunikationsfähigkeit mindern. Das Lithium blockiert GSK-3, hindert das Protein am Aufbau und verringert die Zahl an Plaques.

Millionen Betroffene

Alzheimer-Therapien werden dringend benötigt. Weltweit leiden etwa 18 Millionen Menschen an Demenz, und die Wahrscheinlichkeit an Alzheimer, der populärsten Ausprägung dieser Krankheit zu erkranken, steigen mit zunehmendem Alter: Die Hälfte der über 85-Jährigen zeigt Symptome. Die meisten Medikamente konzentrieren sich auf die Symptome, anstatt auf die Krankheit selbst.

Aber Lithium oder ähnliche Medikamente könnten die drastischen Änderungen im Gehirn bewältigen, die den Zustand verursachen. Lithium selbst könnte für ältere Patienten nicht geeignet sein, weil eine Langzeitbehandlung Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe und Zuckungen auslösen kann. Deshalb arbeiten bereits zahlreiche Pharmaunternehmen an Lithium-ähnlichen Präparaten, die GSK-3 blockieren, aber keine Nebenwirkungen verursachen.(pte)

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