Bartoszewski: "Wir brauchen keine Lügner und Heuchler"

31. Juli 2004, 13:03
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Früherer polnischer Außenminister kritisiert Bund der Vertriebenen

Berlin - Vor den Gedenkfeiern zum 60. Jahrestag des Warschauer Aufstands hat der frühere polnische Außenminister und Botschafter in Österreich, Wladyslaw Bartoszewski, mit scharfen Worten den deutschen "Bund der Vertriebenen" (BdV) kritisiert. "Die Atmosphäre ist im Moment schlimmer, als sie vor einigen Jahren gewesen ist", sagte Bartoszewski am Freitag im Bayerischen Rundfunk. "Wir brauchen keine Lügner und Heuchler, weder in unserem Land noch in benachbarten Ländern", sagte er an die Adresse von BdV-Präsidentin Erika Steinbach gerichtet.

Entschädigung

Der "Bund der Vertriebenen" hatte vorige Woche in Berlin eine Gedenkfeier zum Warschauer Aufstand organisiert, die in Polen auf Kritik gestoßen war. Für Unmut sorgt dort auch, dass der BdV gegen den Willen der deutschen Regierung an einem Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin festhält. Zudem lehnt Steinbach einen generellen Verzicht auf die Entschädigung deutscher Vertriebener durch die polnische Regierung ab. <ü>Vertrauen

Der Leiter des Zentrums für Internationale Beziehungen in Warschau, Janusz Reiter, erwartet, dass der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder bei seinem Besuch am Sonntag in Warschau einen Beitrag zur Wiederherstellung des Vertrauens zwischen Polen und Deutschland leistet. Durch die Diskussion um das Zentrum gegen Vertreibungen sei viel Unheil im deutsch-polnischen Verhältnis gestiftet worden, sagte Reiter im Inforadio des Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). (APA)

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