John Kerry: "Wir führen Krieg nur wenn wir müssen"

31. Juli 2004, 21:15
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Senator offiziell zum Kandidaten der Demokraten nominiert - Scharfe Attacken gegen Bush

Boston - Senator John F. Kerry hat am Donnerstag zum Abschluss der Convention in Boston offiziell die Nominierung seiner Partei als Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen angenommen. Unter dem Jubel der Delegierten und Gäste des Parteitags erklärte Kerry in seiner Rede, er werde die Nominierung "im Namen der tapferen Männer und Frauen im Militär, die täglich ihr Leben für unser Land riskieren" und "aller die daran glauben, dass unsere besten Tage noch vor uns sind" annehmen.

John Kerry: "Wir führen Krieg nur wenn wir müssen"

Kerry versprach, er würde als Präsident keine Kriege aus freier Wahl, sondern nur aus Notwendigkeit führen. "Als Präsident werde ich eine lange geschätzte Tradition wieder herstellen: Die Vereinigten Staaten von Amerika gehen niemals in einen Krieg, weil wir es wollen, sondern wir führen nur dann einen Krieg wenn wir es müssen".

Der Irak-Krieg, dem kein Angriff des Irak auf ein anderes Land vorangegangen war, wird in den USA oft auch als von Präsident Bush "gewählter Krieg" bezeichnet. An seinem ersten Tag im Amt werde er auch an alle Männer und Frauen in Uniform die Botschaft richten, so Kerry: Ihr müsst nie einen Krieg führen, für den es keinen Plan zum Gewinn des Friedens gibt.

Scharfe Attacken gegen Bush

Als Oberkommandierender werde er das Land auch nie in einen fehlgeleiteten Krieg führen und die Glaubwürdigkeit des Weißen Hauses wieder herstellen, so Kerry. Sein Vizepräsident werde keine Geheimtreffen mit Umweltverschmutzern abhalten, um die Umweltgesetzgebung umzuschreiben. Sein Verteidigungsminister werde auf die Ratschläge der Generäle hören, und sein Justizminister werde die Verfassung der Vereinigten Staaten hochhalten, versprach Kerry.

Damit richtete er scharfe Attacken gegen Präsident George W. Bush, Vizepräsident Dick Cheney, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Justizminister John Ashcroft, ohne diese jedoch beim Namen zu nennen.

"Wir werden ein stärkeres amerikanisches Militär errichten"

Durch die Wiedererrichtung der internationalen Allianzen werde er die USA im Kampf gegen Terrorismus stärken, kündigte Kerry an. Der Respekt für Amerika werde wieder hergestellt, damit die USA keine Alleingänge durchführen müssten, versprach er.

"Ich habe dieses Land als junger Mann verteidigt und ich werde es als Präsident verteidigen. Ich werde niemals zögern, das Militär einzusetzen wenn es erforderlich ist. Jeder Angriff wird mit einer schlagkräftigen und schnellen Antwort begegnet. Ich werde nie einer internationalen Institution oder einer anderen Nation ein Veto über unsere nationale Sicherheit geben. Wir werden ein stärkeres amerikanisches Militär errichten".

"Amerika kann es besser machen"

Kerry präsentierte in seiner Nominierungsrede auch einen Plan für ein wirtschaftlich stärkeres Amerika. "Amerika kann es besser machen", kritisierte er indirekt die Republikaner, die ihm wegen der Kritik an der Wirtschafts- und sozialen Lage im Wahlkampf "Pessimismus"vorwarfen. "Es ist nicht pessimistischer als zu sagen, Amerika könne es nicht besser machen".

In seinem Wirtschaftskonzept versprach Kerry Investitionen in Technologie und Innovationen, die gut zahlende Jobs der Zukunft schaffen sollten, Anreize für die Produktion und das Schließen der Steuerschlupflöcher, welche Unternehmen für das Outsourcing von Jobs ins Ausland belohnen. "Wir werden ein Amerika bauen, in dem die Mittelklasse nicht ausgequetscht wird, sondern in dem es ihr besser geht".

Steuererleichterung für Mittelklasse

Für die Mittelklasse werde es keine Steuererhöhungen geben, sondern die Steuererleichterungen für jene die mehr als 200.000 Dollar pro Jahr verdienen würden zurückgenommen. Mit den Geldern werde er als Präsident in Arbeitsplatzbeschaffung, Gesundheitsvorsorge und Erziehung investieren. Weiters sollte eine Krankenversicherung, die sich alle Amerikaner leisten können, geschaffen werden.

Im Energiebereich forderte Kerry die Unabhängigkeit vom Öl des Nahen Ostens. "Ich will ein Amerika, das sich auf seine eigenen Innovationen und Leistungen stützt - und nicht auf die saudische Königsfamilie", richtete er wieder eine indirekte Breitseite gegen Bush, der besonders enge Beziehungen zur saudischen Königsfamilie pflegt.

Angebot an religiöse Wähler

Auch ein Angebot an religiöse Wähler richtete Kerry in seiner Convention-Rede. Gläubige seien für ihn willkommen, er wende sich gegen jene Spaltung. Zwar stelle er selber seinen Glauben nicht demonstrativ zur Schau, doch habe ihm dieser die Werte gegeben nach denen er täglich lebe. "Ich will nicht behaupten dass Gott auf unserer Seite ist. Wie Abraham Lincoln sagte, ich will demütig beten, dass wir auf Gottes Seite sind".

Gott segne Amerika

Unabhängig vom Glauben oder der Konfession sollte zur Beurteilung des Charakters nur zählen, was der einzelne bereit sei für sein Land und für seine Mitmenschen zu geben. Kerry schloss seine Rede so wie die meisten seiner Vorredner mit den Worten "Gott segne Amerika". (APA)

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    John Kerry (li) mit John Edwards: "Ich habe dieses Land als junger Mann verteidigt und ich werde es als Präsident verteidigen. Ich werde niemals zögern, das Militär einzusetzen wenn es erforderlich ist.

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    John Kerry meldet sich zum Dienst

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