Niederösterreich: Abgangsgerüchte um "offensive" SP-Landesrätin

31. Juli 2004, 21:08
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Christa Kranzl soll im Schul- und Parteistreit nach Wien wechseln

St.Pölten – Christa Kranzl selbst spricht von "reinen Spekulationen". Im Umkreis der niederösterreichischen Landesregierung aber mehren sich seit Tagen Stimmen, die von einem bevorstehenden Wechsel der SP-Landesrätin nach Wien zu wissen meinen.

Die 44-jährige Mitinhaberin einer Tischlerei in Persenbeug sei als Konsumentenschutz-Sprecherin der Bundes-SPÖ oder für deren Bundesgeschäftsführung im Gespräch, heißt es. Vielleicht – so mutmaßt Kranzls Pressesprecher Alois Scholl – habe die in Parteikreisen wahrgenommene "intensive Unterhaltung" der Chefin mit SP-Vorsitzenden Alfred Gusenbauer während der Begräbnisfeierlichkeiten für Thomas Klestil zu den Gerüchten geführt.

Das allein sei es wohl nicht, widerspricht Madeleine Petrovic: "Kranzl ist streitbar und offensiv. Damit ist sie für SP-Landeschefin Heidemaria Onodi eine ernsthafte Konkurrentin", meint die Klubobfrau der Grünen. Onodi widerspricht: In der Landes-SP sei "jeder auf dem richtigen Platz in seiner derzeitigen Position", verkündet sie.

Tatsächlich hat Kranzl ihr Hang zur Konfliktaustragung den Ruf der "Sturheit" eingebracht – wie es VP-Klubobmann Klaus Schneeberger ausdrückt. Etwa, als die nach mehreren Schlachthofskandalen aufgewertete SP-Konsumentenschutzlandesrätin nicht akzeptieren wollte, dass just die Kompetenzen der Schlachthofkontrolle weiter dem VP-Agrarressort unterstehen sollten. Dort, wo sie sich heute immer noch befinden: Kranzl unterlag.

Derzeit steht die politisch Eigenwillige im Streit um die Zukunft niederösterreichischer Pflichtschulen allein gegen die VP und große Teile ihrer eigenen Partei: Trotz einer anders lautenden informellen "Abmachung zwischen VP und SP" (Schneeberger) unterstützt Kranzl weiter die Forderung von 16 Gemeinden nach Gründung zusätzlicher Schulsprengel.

Schul-"Filetierung"

Diese Sprengelvermehrung soll verhindern, dass Klassen in Katastralgemeinden wegen zu geringer Schülerzahlen geschlossen werden müssen. In eigenen Sprengeln kämen tolerantere Regeln zum Einsatz – doch das käme einer "Filetierung" des Schulwesens gleich, befürchtet Schneeberger. Wegen der Vorbildwirkung: Vom Schülerschwund – im kommenden Schuljahr werden landesweit 16.300 Erstklässler erwartet, 2003 waren es noch 17.300 – seien insgesamt an die 70 Gemeinden betroffen.

Kranzl jedoch beharrt auf ihrem Standpunkt. Kinder dürften nicht zu Pendlern werden, betont sie. Eine Perspektive, die jetzt ihr verheißen wird.

von Irene Brickner
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