Veterinär-Uni entgegnet Vorwürfen wegen illegaler Tierversuche

30. Juli 2004, 20:52
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Rektor weist Vorwürfe zurück: "Es seien nicht wild lebende Katzen gefangen und kastriert worden"

Wien - Den Vorwurf, man würde im Rahmen von Dissertationen, "illegale Tierversuche" durchführen, weist der Rektor der Veterninärmedizinischen Universität, Wolf-Dietrich von Fircks, zurück.

"Behandlungen"

Es habe sich bei den Untersuchungen mit Kühen oder Katzen nicht um "genehmigungspflichtige Tierversuche" gehandelt, sondern um "Behandlungen" an den Tieren zum Zwecke "der landwirtschaftlichen Nutzung". Es seien auch nicht wild lebende Katzen gefangen und kastriert worden. Die Tiere, mit denen man an der Universität arbeite, stammten alle aus eigener Zucht oder seien von anderen Zuchtstationen erworben worden.

Protokolle

Von Fircks reagierte damit am Donnerstag auf eine Causa, die bereits am 19. Juli von Professor Maximilian Schuh (Klinik für Schweine an der Veterinär-Universität) in profil thematisiert wurde. Schuh bleibt auch anlässlich von Fircks Dementi bei seinen Aussagen: "Hier geschehen systematisch Tierversuche ohne Genehmigung. Ich werde Protokolle und Beweise vorlegen, die das dokumentieren." Systematisch würde man zudem Tierversuche erst im Nachhinein vom Ministerium genehmigen lassen. Schuh trägt die Anschuldigungen heute im Universitätsrat vor. "Ich will erreichen, dass wir uns alle an einen Tisch setzen und darüber reden." Bisher seien Gespräche verweigert worden.

Zwei Beispielfälle

Beispielsweise geht es um angebliche Fälle an der Klinik für Geburtshilfe - mit schmerzhaften Folgen für die Tiere. Leiter Professor Jörg Aurich ist ebenso wie der Rektor bemüht, die Vorwürfe zu bereinigen. Sie lauten: An seiner Klinik seien "bei der künstlichen Besamung von Stuten . . . Keime bewusst in die Gebärmutter gebracht worden, um die Reaktion der Tiere auf eine solche Infektion zu testen." Die Tiere hätten leiden müssen. "Alle diese Aussagen sind falsch", sagen Aurich und von Firck.

Routineeingriff

Im zweiten Fall sollen Kühe, bei denen im Zuge einer Dissertation Schleimhaut aus der Gebärmutter entnommen worden sei, danach an eitrigen Entzündungen gelitten haben. Norbert Tomaschek, bei der Studie dabei und heute Amtstierarzt in der Steiermark, will sich nicht sagen lassen, dass er "Tierquälerei" betrieben habe. Es habe sich um einen Routineeingriff gehandelt. Die Entzündung sei danach gut behandelt worden.

Es gelten universitätsintern Richtlinien für die Genehmigung von Versuchen in Dissertationen. In der Causa ist vor allem die Frage umstritten, ab wann ein Tierversuch ein solcher ist und ob er genehmigungspflichtig ist - oder ob es eben nur eine "Behandlung" eines Tieres ist. (aw, DER STANDARD Printausgabe 30.7.2004)

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