Vierjähriger mit Kopf in Autofenster eingeklemmt

30. Juli 2004, 20:56
posten

Ein Fensterheber funktionierte ohne Zündschlüssel und wurde einem Kind fast zum Verhängnis - ein Zweijähriger ertrank nach Sturz in einen Pool

Mehr als 60.000 Kinder müssen jährlich nach Freizeitunfällen im Spital behandelt werden. Oft entpuppen sich alltägliche Dinge als gefährliche Fallen für Kinder. Wie zum Beispiel ein elektronischer Autofensterheber, der Mittwoch einem Vierjährigen fast zum Verhängnis wurde.

***

Linz/Wien - Alltägliche Gegenstände können für Kinder zur tödlichen Gefahr werden. Jüngstes Beispiel: In Oberösterreich wurde ein Vierjähriger fast vom elektronischen Fensterheber im Auto seines Vaters erdrückt. Mehr als 60.000 Kinder müssen durchschnittlich jährlich nach Freizeitunfällen stationär in Spitälern aufgenommen werden.

Ein Schicksal, das auch der kleine Bub aus St. Wolfgang erlitten hat. Der Vierjährige wurde am Mittwochabend in St. Wolfgang bei dem Unfall mit einem elektrischen Fensterheber schwer verletzt. Der Bub war unbeobachtet in den unversperrten VW Passat seines Vaters geklettert und dürfte genau in dem Moment, als er den Kopf aus dem Autofenster streckte, mit dem Fuß den automatischen Fensterheber ausgelöst haben.

Keine Chance Kopf aus dem Fenster zu ziehen

Das Fenster bewegte sich ohne anzuhalten nach oben und klemmte den Buben zwischen Mund und Hinterkopf ein. Der Vierjährige versuchte noch sich zu befreien, hatte aber keine Chance, den Kopf aus dem Fenster zu ziehen. Erst nach einer halben Stunde entdeckte die geschockte Mutter ihren bereits bewusstlosen Sohn.

Dem Notarzt gelang es noch am Unfallort den Buben zu reanimieren. Am Donnerstag kam dann die Entwarnung aus dem Landeskrankenhaus Salzburg: "Der Bub befindet sich zwar nach wie vor im künstlichen Tiefschlaf, ist aber mit Sicherheit bereits außer Lebensgefahr", so die behandelnden Ärzte. Über mögliche bleibende Schäden des Gehirns aufgrund der mangelnden Sauerstoffzufuhr könne man aber jetzt noch keine Aussagen treffen.

Zündschlüssel war abgezogen

Laut Gendarmerie dürfte der Bub Glück im Unglück gehabt haben: "Ein miteingeklemmter Arm des Kindes bremste das Fenster und verhinderte so vermutlich schlimmere Kopfverletzungen." Unklarheit herrscht über die Unfallursache: "Es ist mir völlig rätselhaft, wie die Elektronik des Fensterhebers funktioniert hat, obwohl der Zündschlüssel abgezogen war", erklärt ÖAMTC-Techniker Gerhard Greindl.

Bei dem Unfallauto müsse es sich darüber hinaus um ein älteres Modell handeln, denn alle jüngeren Pkws hätten "einen automatischen Anhalteschutz, wenn das Fenster auf einen Widerstand trifft", so Greindl. Der tragische Zwischenfall habe einmal mehr gezeigt, dass ein Auto "kein Kinderspielplatz ist und daher immer verschlossen sein muss", warnt Greindl.

Zweijähriger ertrunken

Während der oberösterreichische Bub zumindest außer Lebensgefahr ist, hatte ein zwei Jahre alter Kärntner weniger Glück. Der Bub starb nun im Landeskrankenhaus Klagenfurt, nachdem er vor einer Woche im Bezirk Völkermarkt in einen Swimmingpool gestürzt war.

Unfälle im Wasser zählen zur größten Gefahr für Kinder. Zwischen 50 und 100 Kinder starben in den vergangenen Jahren jährlich bei Unfällen, der Tod durch Ertrinken nimmt dabei nach den Verkehrsunfällen den zweiten Rang ein.

Keine Sicherheitsnormen für private Pools

Welche Sicherheitsnormen private Bäder und Pools aufweisen müssen, ist in Österreich nicht gesetzlich geregelt. Anders in Frankreich, wie Regina Slameczka vom Österreichischen Normungsinstitut erklärt. Dort müssen seit Jahresbeginn alle privaten Schwimmbäder nach eigens ausgearbeiteten Sicherheitsrichtlinien errichtet, ältere Modelle bis 2006 nachgerüstet werden.

Die Statistiken des Institut "Sicher leben" zeigen auch, dass besonders Zwischenfälle in der Freizeit und zu Hause gefährlich sind. Zu den 60.000 Freizeitverletzungen pro Jahr bei Kindern unter 14 Jahren kommen noch fast 16.000 schwere Sportverletzungen hinzu. In der Rangliste der Verletzungen spielt der Straßenverkehr im Gegensatz zu jener der Todesfälle eine untergeordnete Rolle: In diesem Bereich sind rund 7000 Verletzungsopfer pro Jahr zu beklagen. (Michael Möseneder, Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe 30.7.2004)

Share if you care.