Neue U-Bahn, aber keine Trasse zum Zentralbahnhof

7. Oktober 2004, 11:34
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Streit, ob die U2 zum neuen Bahnhof fahren wird - allerdings: auch alle anderen Varianten würden vorbeiführen - mit Grafik

Der Streit, ob die U2 zum neuen Wiener Zentralbahnhof fahren wird, entzweit Stadt Wien und ÖBB. Allerdings: Auch alle anderen untersuchten Varianten würden am "Bahnhof Wien" vorbeiführen.

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Wien - Die Südverlängerung der U2 werde auf keinen Fall zum neuen Zentralbahnhof gebaut, hatte sich Finanzstadtrat Sepp Rieder (SP) diese Woche festgelegt. Womit er nach derzeitigem Stand der Planungen auf jeden Fall Recht hat - da es bisher keine einzige untersuchte Routenvariante gibt, die den "Bahnhof Wien - Europa Mitte" tatsächlich erschließen würde.

Bei näherer Betrachtung der Planungen zeigt sich nämlich, dass es zwar Streckenentwürfe gibt, die näher am geplanten Hauptbahnhof liegen würden - die aber lediglich eine Station namens "Bahnhof Wien" an jener Stelle hätten, wo derzeit der Südbahnhof steht. Nur: Dieses Gebäude würde ja abgerissen. Wie der STANDARD berichtete, soll der Zentralbahnhof zwischen den bisherigen Geleisen von Süd- und Ostbahn gebaut werden. Das neue Hauptgebäude würde am Südtirolerplatz und also bei der U1-Station errichtet.

Grundsätzlich bahnhofsferne Planung

Angesichts dieser grundsätzlich bahnhofsfernen Planung wird das wichtigste Argument von Stadt und Wiener Linien für eine noch weiter entfernte Trasse verständlich: Bei der Route nahe dem "Bahnhof Wien" würde nur ein Potenzial von rund 47.000 Menschen erschlossen. Da ja jene Fahrgäste, die am "Bahnhof Wien" umsteigen wollen, nicht mitgerechnet werden müssen.

Erschließt die U2 hingegen die jetzigen und künftigen Stadtentwicklungsgebiete Eurogate/Aspanggründe und St. Marx, würde sie rund 90.000 bis 100.000 Menschen erreichen. Gleichzeitig aber noch weiter am Zentralbahnhof vorbeifahren.

"Einzelmeinung"

Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) hatte sich vergangene Woche bei der Präsentation des Masterplanes für das Areal rund um den "Bahnhof Wien" gesprächsbereit gezeigt: Die genaue Trasse sei noch "Verhandlungssache". Stadtrat Rieder wandte sich dann allerdings endgültig vom Bahnhof ab. Die Trasse sei mit dem Verkehrsministerium abgestimmt, und der Wunsch nach Anbindung des Bahnhofs an die U2 sei laut Rieder eine "Einzelmeinung" des ÖBB-Generals Rüdiger vorm Walde.

"Breite Front"

Die ÖBB sind verstimmt, und die Rathausopposition tobt. Die jüngste Diskussion habe gezeigt, "dass es eine breite Front der Ablehnung und ein allgemeines Unverständnis gibt, wenn geplant wird, erneut eine U-Bahn an einem Großbahnhof vorbeizubauen", hieß es in einer Stellungnahme der ÖBB.

Für den Verkehrssprecher der Wiener Volkspartei, Wolfgang Gerstl, sind die aktuellen Pläne "verkehrsplanerischer Nonsens". Auch der Klubobmann der Freiheitlichen im Rathaus, Hilmar Kabas, warnte vor neuen Fehlplanungen und einem "drohenden Verkehrschaos".

Bürgermeister Michael Häupl (SP) hatte sich kürzlich nur sehr vorsichtig zu diesem Thema geäußert: Er sei für eine "vernünftige Anbindung" des Zentralbahnhofs an den öffentlichen Nahverkehr. Die U2 nannte er dabei aber nicht konkret.

Grundsätzlich soll die U2 nicht am Bahnhof enden, sondern weiter bis zum Wienerberg geführt werden - wo gleich ein ganzer neuer Stadtteil vollkommen ohne Anschluss an ein hochwertiges öffentliches Verkehrsmittel errichtet worden ist. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 30.7.2004)

  • Variantenuntersuchung U2-Süd
    grafik: standard

    Variantenuntersuchung U2-Süd

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Breites Unverständnis herrscht darüber, dass vermutlich erneut eine U-Bahn an einem Großbahnhof vorbeigebaut wird

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