Trauer ist kein Fremdenrecht

30. Juli 2004, 23:40
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Iraner wird seit Wochen in staubtrockener Amtssprache untersagt, das Grab seiner verstorbenen Frau in Österreich zu besuchen

Wien/Teheran - In den 117 Paragrafen des österreichischen Fremdengesetzes sind alle möglichen Rechte und Pflichten festgeschrieben. Pietät kommt freilich nicht einmal zwischen den Zeilen vor. Und so wird einem iranischen Staatsbürger seit Wochen in staubtrockener Amtssprache untersagt, das Grab seiner verstorbenen Gattin in Österreich zu besuchen.

Als Herr N. sich vor einigen Jahren im Iran von seiner Ehefrau verabschiedete, konnte er nicht ahnen, dass er sie nie wieder sehen sollte. Die Frau musste aus politischen Gründen das Land verlassen, ihre beiden Kinder nahm sie mit. Herr N. hingegen blieb in der islamischen Republik. Aus der Ferne unterstützte der Unternehmer finanziell seine Familie, die nach längerer Odyssee schließlich im Vorjahr Asyl in Österreich erhielt.

Diagnose: Krebs im finalen Stadium

Doch dann wurde bei Frau N. Krebs im finalen Stadium diagnostiziert. Vergangenen Jänner wollte Herr N. seine todkranke Gattin besuchen und beantragte ein Visum bei der österreichischen Botschaft in Teheran. Aber das Verfahren zog sich zu lange hin, Frau N. verstarb im Mai. Danach wurde dem Witwer von der Republik Österreich beschieden, dass es nun wohl keinen Grund mehr für eine Einreise gebe.

Wiederausreise sei nicht gesichert

In der österreichischen Botschaft in Teheran hieß es am Donnerstag auf telefonische STANDARD-Anfrage, dass man die tragischen Umstände bedauere, man müsse aber davon ausgehen, dass "die Wiederausreise nicht gesichert ist." Im Klartext: Man will verhindern, dass Herr N. in Österreich bleibt. Das Innenministerium prüft jetzt, ob es nicht doch einen Weg gibt, um Herrn N. den Besuch des Grabes zu ermöglichen. (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe 30.7.2004)

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