Palästinenser verkauften Zement für Sperranlage an Israelis

30. Juli 2004, 16:51
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Italienische Zeitung beruft sich auf einen Bericht des palästinensischen Parlaments

Mailand - Hochrangige Palästinenser sollen Zement für den Bau des umstrittenen Sperrwalls an die Israelis verkauft haben. Das berichtet die italienische Tageszeitung "Corriere della Sera" (Donnerstag-Ausgabe) unter Berufung auf einen Bericht des palästinensischen Legislativrates (Parlament). In den Deal, bei dem fünf Millionen Dollar geflossen sein sollen, sind angeblich zwei Minister sowie der Schatzmeister von Präsident Yasser Arafat, Mohammed Rashid, verwickelt.

Dem Zeitungsbericht zufolge soll der jüdisch-deutsche Unternehmer Zeev Pelsinsky, der in Haifa mehrere Firmen besitzt, im April 2003 vom ägyptischen Unternehmen Egypt Bany Swif 120.000 Tonnen Zement erworben haben. Die ägyptischen Behörden verhinderten jedoch das Geschäft, da sie davon ausgingen, dass das Material zum Bau des inzwischen von der UNO und dem Internationalen Gerichtshof (IGH) als völkerrechtswidrig verurteilten Sperrwalls verwendet werden würde.

"Port Land International"

Pelsinsky gab jedoch nicht auf. Er wandte sich an den palästinensischen Minister für Zivilangelegenheiten, Jamal Tarifi, dessen Familie große Zementfirmen besitzt. Pelsinksy und Tarifi einigten sich in Kairo darauf, dass die Unternehmen des Ministers 20.000 Tonnen ägyptischen Zements erwerben sollten. Für den Import in die besetzten palästinensischen Gebiete war eine Erlaubnis des palästinensischen Wirtschaftsministeriums nötig. Es musste bestätigt werden, dass die Ladung nicht nach Israel gelange. Der palästinensische Wirtschaftsminister Maher al Masri - seines Zeichens ein bedeutender Wirtschaftsvertreter mit großen Interessen in Jordanien - hatte für Tarifi ein entsprechendes Dokument unterzeichnet.

Der gehandelte Zement war vom Typ "Port Land International", also jener, der auch beim Bau des Sperrwalls verwendet wurde. Als ägyptische Zeitungen von der Sache Wind bekamen, gelang es dem Vizepräsidenten des Legislativrates, Hassan Khreishe, eine Kommission zur Untersuchung der Vorgänge ins Leben zu rufen. Khreishe ist ein bekannter Kritiker der Korruption in der palästinensischen Führung.

Wie die Kommission in ihrem Endbericht laut "Corriere della Sera" feststellte, wurden 420.000 Tonnen "Port Land"-Zement aus Ägypten in die besetzten Gebiete importiert. Davon wurden 33.000 Tonnen als für den "zivilen Gebrauch" deklariert. Der Rest wurde offenbar an die Israelis verkauft. In die Abwicklung dieser Geschäfte ist scheinbar auch die Firma von Arafat-Schatzmeister Rashid verwickelt. (APA)

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