Rotes Kreuz: 600.000 Menschen im Westen gefangen

30. Juli 2004, 15:58
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Hilfsorganisationen bereiten sich auf riesige Flüchtlingswelle vor

Darfur/Wien - "Der Regen füllt jetzt ausgetrocknete Flusstäler mit Wasser und macht sie unpassierbar. Wir schätzen, dass etwa 600.000 Menschen im Sudan regelrecht gefangen sind", schilderte Rotkreuz-Helfer Gauthier Lefevre die Lage in der Grenzregion zwischen Darfur im Westudan und dem benachbarten Tschad. Die Flüchtlinge steckten zwar fest, würden aber jede Gelegenheit nützen, um sich über die Grenze in Sicherheit zu bringen, so der Rotkreuz-Mitarbeiter.

Im Osten des Tschads bereiten sich die Hilfsorganisationen daher auf die Ankunft der riesigen Flüchtlingswelle vor. Lefevre: "Wir errichten Camps und Lagerhäuser für Lebensmittel." Das alles geschehe unter enormem Zeitdruck, denn die Regenfälle würden die Straßen kaum passierbar machen. "Im August bleiben uns deshalb nur zehn Tage Zeit für den Transport von Hilfsgütern."

Zeltstadt

200.000 Menschen sind bisher aus ihrer Heimat Darfur in den benachbarten Tschad geflohen. Die meisten leben in neun offiziellen Camps internationaler Hilfsorganisationen im östlichen Tschad. "Mit der Fertigstellung unseres Rotkreuz-Camps in Treguine werden wir alle Flüchtlinge, die den Tschad erreicht haben, versorgen können", sagte Lefevre. Die Zeltstadt wird 20.000 Bewohnern ein vorübergehendes Zuhause bieten.

Das Österreichische Rote Kreuz wird helfen, das neue Camp in Treguine mit Wasser zu versorgen. In der kommenden Woche wird eine Wasseraufbereitungsanlage von Wien aus in den Tschad geschickt. Die Rotkreuz-Helfer und das Material für das Camp werden aus Österreich, Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland und Schweden stammen.

Die Flüchtlingswellen aus Darfur stellen eine gewaltige Herausforderung für den Tschad dar, denn der östliche Landesteil besteht fast zur Gänze aus Wüste. Seine Bewohner teilen ihre knappen Ressourcen mit den Flüchtlingen. Einige Tausend Flüchtlinge aus Darfur sind außerhalb der Camps bei Verwandten und in benachbarten Gemeinschaften untergekommen. Daher hat das Rote Kreuz seine Hilfsprogramme auch auf die Bewohner der Region ausgedehnt. (APA)

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