Lehrer montierte in Schule Kameras am Damen-WC

17. September 2004, 11:58
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Angebliches Motiv: Verhinderung von Drogenmissbrauch. Die Aktion kritischer SchülerInnen fordert weitgehende Maßnahmen, die Schülerunion will anonyme Hotline

Zwei Mini-Videokameras auf der Damentoilette haben in einer Schule in Oberwart für einen turbulenten Schulschluss gesorgt. Bereits im Mai hatte eine Raumpflegerin am WC eine Überwachungskamera entdeckt. Als kurz vor Ferienbeginn ein zweites Gerät auftauchte, geriet ein Lehrer der Schule ins Visier der Ermittler. Der 43-Jährige gab zu, die zweite Kamera montiert zu haben. Er wurde angezeigt.

Vorwand Drogenproblem

Der Lehrer rechtfertigte sich damit, er habe "Erhebungen in Richtung Drogenmissbrauch" durchgeführt, berichtete die Sicherheitsdirektion Burgenland am Mittwoch. Bei dem Fund im Mai wurde die Gendarmerie alarmiert, die zunächst wegen Sprengstoffverdacht einen Experten des Landesgendarmeriekommandos beizog. Dieser stellte fest, dass es sich bei dem mit einem Klebeband unterhalb einer Klobürstenhalterung an der Wand befestigten Gegenstand um eine Farb-Minivideokamera handelte. Der Sende- und Empfangsbereich des Geräts lag im Bereich von etwa fünf bis zehn Meter. Eine erste Suche nach dem Monteur oder einem Empfangsgerät verlief zunächst negativ.

Big Brother am Klo

Wenige Tage vor Schulschluss wurde erneut eine Kamera auf der Damentoilette entdeckt. Die Aufnahmerichtung der Kamera zeigte wie schon beim ersten Mal in Richtung des WC-Sitzes. Im Zuge weiterer Erhebungen konnten Kriminalisten schließlich den 43-jährigen Vertragslehrer als Monteur ausgeforschen.

Bei der Einvernahme gab der Mann zu, die zweite Kamera platziert zu haben, von der ersten wisse er nichts. Er habe das Gerät angebracht, um Erhebungen in Richtung Drogenmissbrauch auf den Toiletten durchzuführen. Auf eine Verständigung der Schulleitung habe er vergessen. Der 43-Jährige wurde wegen Verdachts des Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses auf freiem Fuß angezeigt.

An der Tagesordnung

Oberwart ist nur die Spitze des Eisbergs." Das erklärte die Vorsitzende der SP-nahen "Aktion Kritischer Schüler", Kim Kadlec, am Donnerstag in einer Aussendung zu den Vorfällen. "Sexuelle Belästigung an den Schulen ist an der Tagesordnung", meinte Kadlec auf Nachfrage der APA, nur werde sie oft verniedlicht, das sei ja nur ein Scherz oder ein Blick, das tue ja nicht weh, heiße es oft.

Oft würden auch Vorfälle unter den Tisch gekehrt, und erst nach wiederholten Vorfällen komme es zur Suspendierung von Lehrern. Kadlec fordert deshalb weitergehende Maßnahmen als nur die Kündigung des betreffenden Lehrers. "Dieses Thema darf nicht mehr länger tot geschwiegen werden, besonders in der Schule nicht."

Vertrauen zerstört

Die sexuelle Belästigung beginne oft mit der Sprache und wie mit Mädchen umgegangen werde, etwa in der Kleidungsfrage, so Kadlec, die an die Kleidungsvorschriften an der Hauptschule Ohlsdorf (OÖ) erinnert. Die Schülervertreterin befürchtet allerdings, dass nun versucht werde, das Thema möglichst schnell unter den Tisch zu kehren: "Wenn nicht endlich offen über diese Vorkommnisse diskutiert wird, wird sich nie etwas ändern und wir werden noch viele Fälle wie in Oberwart erleben." Bedenklich hält Kadlec, dass durch die Vorfälle in Oberwart das Vertrauen in die Schule generell zerstört sei: "Schule muss ein Raum sein, in dem die SchülerInnen angstfrei ihre Zeit verbringen können. So ist sie es jedoch nicht."

Hotline als Hilfe

Die VP-nahe Schülerunion fordert eine anonymisierte Hotline im Landesschulrat oder im Bildungsministerium, an die sich von Pädagogen belästigte Schüler wenden können. "Das Thema Belästigung durch Lehrer nimmt nach wie vor niemand ernst", erklärte der Obmann der Schülervertretungsorganisation, Gregor Schütze in einer Aussendung. "Fast an jeder zweiten Schule gab oder gibt es Zwischenfälle durch Belästigung und Autoritätsmissbrauch."

Die Schülerunion wisse auf Grund von telefonischen Beschwerden von zahllosen "anzüglichen Belästigungen", etwa dass Lehrer bei Prüfungen in den Ausschnitt der Schülerinnen schauen, erklärte der Pressesprecher der Schülerunion, Michael Steiner, gegenüber der APA. Solche Vorfälle seien meistens in der Klasse bekannt, doch die Schüler seien immer "in einer furchtbaren Situation. "Sie können sich eigentlich nicht über Belästigungen beschweren, da der Lehrer immer am längeren Ast sitzt. Man sieht da immer gleich seine Noten gefährdet", so Schütze.

Durch eine anonymisierte Hotline würden Beschwerden hoffentlich auch Auswirkungen haben, meint der Schülerunion-Obmann. Außerdem müsse das Thema stärker sensibilisiert werden, auch unter den Eltern. (apa)

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