Regierung kündigt Freilassung von Islamistenführer Tourabi an

30. Juli 2004, 15:58
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Deklarierter US-Feind unterhielt Kontakte zur "Hamas" und "Gamaa Islamiya"

Khartum/Nairobi - Nach massivem internationalen Druck wegen der Darfur-Krise hat die sudanesische Regierung die bevorstehende Freilassung des Islamistenführers und früheren Chefideologen des Regimes, Hassan al Tourabi (Turabi), angekündigt. Sieben weitere Mitglieder der Opposition seien bereits aus der Haft entlassen worden, berichtete der britische Sender BBC am Donnerstag. Der 72-jährige Tourabi befindet sich derzeit im Krankenhaus. Er war in einen Hungerstreik getreten, um gegen seine Festsetzung ohne Anklage zu protestieren.

Tourabi, früherer sudanesischer Parlamentspräsident, war 2001 inhaftiert worden, als Staatschef Omar Hassan al Bashir eine Annäherung an die USA suchte. Tourabi, ein deklarierter Feind der USA, galt als Mentor und Graue Eminenz des seit 1989 herrschenden Militärregimes. Der Gründer der Nationalen Islamischen Front (NIF), der in Oxford und Paris studiert hat, spricht neben Arabisch auch fließend Englisch, Französisch und Deutsch. 1991 wurde auf seine Initiative die "Arabisch-Islamische Volksfront" (PAIC) in Khartum gegründet, zu der radikale islamistische Gruppierungen arabischer Staaten wie die verbotene algerische FIS (Islamische Heilsfront), die palästinensische Hamas und die ägyptische "Gamaa Islamiya" zählen. Die PAIC gilt als Dachorganisation einer "Islamistischen Internationale". Dies führte dazu, dass der Sudan von den USA auf die Liste der Terrorismus unterstützenden Staaten gesetzt worden war. Nach der Entmachtung Tourabis kam es zu einer deutlichen Annäherung zwischen dem Sudan und dem Nachbarland Ägypten.

Tourabi hat der sudanesischen Regierung mehrfach vorgeworfen, die Stämme in der westsudanesischen Region Darfur (Darfour) gegeneinander aufzuwiegeln. (APA/dpa)

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BBC

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