Großbritannien: Lebenslang für 16-Jährigen für Mord an Mitschüler

30. Juli 2004, 11:39
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Das Messer steckte bis zum Schaft im Körper des Opfers - das Gericht erkannte darin eine klare Tötungsabsicht

Das Messer steckte bis zum Schaft im Körper des Opfers. Das Gericht erkannte darin eine klare Tötungsabsicht und verurteilte einen 16-jährigen Schüler in England zu lebenslanger Haft. In Österreich gelten für Minderjährige mildere Strafbestimmungen.

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London/Nottingham - Lebenslang lautet das Urteil, das ein Gericht über einen sechzehnjährigen Schüler in Großbritannien, der wegen Mordes an seinem Mitschüler angeklagt wurde, verhängte. Das Gericht in Nottingham rechtfertigte das hohe Strafmaß mit der Schwere der Tat, die von dem damals fünfzehnjährigen Alan P. mit voller Absicht begangen worden sei.

Der Verteidigung des Angeklagten, dass er sein Opfer nur habe einschüchtern wollen und dieser ihm dann versehentlich ins Messer gelaufen sei, schenkte der Richter keinen Glauben. Schließlich hatte Alan seinem Schulkollegen Luke sein Messer mit einer sieben Zentimeter langen Klinge bis zum Schaft vollständig in die Brust gerammt.

Keine Mordabsicht

Weiters berichteten Mitschüler von einer länger andauernden offenen Rivalität der beiden Burschen, die auch Alan bestätigte. Er sagte aus, dass Luke immer wieder Seitenhiebe auf seine verstorbene Mutter austeilte und er von ihm gehänselt worden sei. Mordabsichten gehegt zu haben, bestritt er allerdings bis zuletzt.

Kurz gefasst liest sich die tragische Geschichte wie ein Groschenroman: Alan, ein sozialer Außenseiter aus einer zerrütteten Familie bringt aus Missgunst und Hass den allseits beliebten und behüteten Sohn aus gutem Hause um.

Der Mörder muss nun eine lebenslange Haftstrafe absitzen oder zumindest für sehr lange Zeit im Gefängnis bleiben. Der Urteilsspruch schließt vor Ablauf von zwölf Jahren eine vorzeitige Entlassung wegen guter Führung aus.

Schlimme Erinnerung

Vergleichsweise milder urteilte die britische Justiz über die beiden jugendlichen Straftäter, die als Zehnjährige den zwei Jahre alten James Bulger in Liverpool ermordeten. Sie wurden damals, im Jahr 1993, zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt.

Die Buben hatten ihr späteres Opfer in einem Einkaufszentrum angesprochen und mitgenommen. Nach einem vier Kilometer langen Marsch durch die Stadt kamen sie zu einem Eisenbahndamm. Dort spritzten sie dem kleinen Kinde Farbe aus einer - gestohlenen - Spraydose in die Augen. Dann, so erzählten sie vor Gericht, "fingen wir an, Steine auf ihn zu werfen. Er fiel hin, kam aber immer wieder hoch. Eine große Eisenstange machte ihn schließlich fertig". Danach legten sie ihr Opfer auf die Eisenbahngeleise.

Verkürzte Haft

Die beiden saßen acht Jahre in einem Jugendgefängnis. 2001 sollten sie in eine Anstalt des Erwachsenenvollzuges überstellt werden, dabei sprach sich das Bewährungsgremium für eine Verkürzung der Haft aus. Die nunmehr Achtzehnjährigen würden keine Gefahr mehr für die Öffentlichkeit darstellen.

Diese Entscheidung löste in der Bevölkerung große Bestürzung aus, da der Kindermord die Öffentlichkeit schwer geschockt hatte und schon damals viele Menschen eine weitaus höhere Strafe gefordert hatten. Innenminister David Blunkett versicherte, dass die Jugendlichen strenge Auflagen erhalten würden.

Zu ihrem eigenen Schutze bekamen sie neue Identitäten. Den Medien wurde auf Dauer gerichtlich untersagt, Angaben über ihren Verbleib zu veröffentlichen.

Die österreichische Judikatur schließt für jugendliche Straftäter lebenslange Haftstrafen aus. Anstelle einer lebenslangen Haft sieht das Jugendgerichtsgesetz für Täter, die das sechzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet haben, Freiheitsstrafen von einem bis zu zehn Jahren vor. (dpa, di, DER STANDARD Printausgabe 29.7.2004)

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