Zweite Welle von Koreaflüchtlingen

28. Juli 2004, 20:39
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468 Überläufer in Seoul gelandet - Mit Kommentar

Seoul/Pjöngjang - Im Zuge einer Massenflucht sind am Mittwoch zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen mehr als 200 Nordkoreaner in Südkorea eingetroffen. Eine von Südkorea gecharterte Maschine mit den Flüchtlingen landete nach Fernsehberichten auf dem internationalen Flughafen Incheon westlich von Seoul. Nach Berichten der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap befanden sich diesmal 241 Nordkoreaner an Bord, nach 227 Überläufern am Vortag. Es ist die bisher größte Zahl von Flüchtlingen aus dem kommunistischen Land, die in den kapitalistischen Süden der geteilten koreanischen Halbinsel gekommen sind.

Wo die Nordkoreaner gestartet waren, wurde nicht offiziell mitgeteilt. Sie wurden, wie schon am Vortag, bei der Ankunft streng von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Die Gruppe der insgesamt 468 Flüchtlinge hatte sich zuvor in einem südostasiatischen Land aufgehalten. Nach Angaben der Kommission zur Hilfe nordkoreanischer Flüchtlinge (CNKR) in Seoul kamen die Nordkoreaner aus Vietnam, das auch gute Beziehungen zu Pjöngjang unterhält. Yonhap berichtete, Seoul habe sich seit Mai um die Ausreise der Nordkoreaner bemüht, nachdem sich die Lebensbedingungen in überfüllten Unterkünften in dem Aufenthaltsland verschlechtert und zu großen Problemen wie Selbstmorddrohungen geführt hatten. Die BBC berichtete indes nach einem Beitrag im Februar erneut unter Berufung auf Augenzeugen über Giftgasexperimente mit Häftlingen in Nordkorea. (dpa, red/(DER STANDARD, Printausgabe, 29.7.2004)

Kommentar

Ein Hauch von ’89
Die jüngste Massenflucht aus dem stalinistischen Nordkorea ist ein bedrohliches Zeichen für das Regime
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