Angst bei Juwelieren: Statistisch ein Überfall pro Arbeitsleben

30. Juli 2004, 11:39
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Beschäftigte in Banken und Schmuckgeschäften haben zurzeit die gefährlichsten Jobs in der Privatwirtschaft

Wien/Salzburg - Bankpersonal und Beschäftigte in Juweliergeschäften - das sind zurzeit die gefährlichsten Jobs in der Privatwirtschaft. Statistisch gesehen muss jede Person, die in dieser Branche mit Kunden zu tun hat, einmal im Arbeitsleben mit einem Überfall oder Einbruchsdiebstahl rechnen.

Hundertprozentigen Schutz gebe es nie

Nach dem jüngsten Einbruchsversuch bei einem Juwelier in Wien-Meidling, bei dem der Geschäftsinhaber einen der Einbrecher erschossen hat, mache sich in die Branche verständlicherweise wieder Verunsicherung breit, sagt Alfred Römer, der Obmann des Wiener Juweliereinzelhandels. Man könne noch so viel in Sicherheit investieren, hundertprozentigen Schutz gebe es nie. "In meinem eigenen Geschäft gelang es Einbrechern vor wenigen Monaten, mit einem Wagenheber eine Panzertür aufzubrechen", so Römer.

Viele Juweliere leisten sich mittlerweile private Wachmänner. "Aber Diebe und Einbrecher sind uns sowieso immer einen Schritt voraus, die sind immer schneller als die Polizei", heißt es auch bei einem Juwelier in der Salzburger Innenstadt. Und auch die Versicherung ziehe den Juwelieren die Schrauben immer fester an: "Hat man nicht schon jahrelang einen festen Vertrag ist es mit einer so genannten Risikoadresse kaum mehr möglich, eine Polizze zu bekommen."

Notwehr glaubhaft

Im jüngsten Fall in der Meidlinger Hauptstraße in Wien sieht die Polizei keinen Grund, an einer berechtigten Notwehr des Geschäftsinhabers zu zweifeln: "Die Schüsse verliefen kreuz und quer durch den engen, dunklen Verkaufsraum. Es gibt kein Trefferbild von zehn Zentimeter Durchmesser", erklärte Major Roland Frühwirth von der Kriminaldirektion 1. Nun liege es an der Justiz, zu entscheiden, ob die Notwehr bejaht werde oder der Schütze wegen fahrlässiger Tötung zur Verantwortung gezogen wird.

Wie berichtet, hatte der 63-jährige Juwelier im Hinterzimmer seines Geschäfts übernachtet, da vermutlich bei Vorbereitung des eigentlichen Coups bereits in der Nacht auf Samstag das Scherengitter vor der Eingangstür beschädigt worden war. Eine Reparatur war so schnell nicht möglich, die Versicherung hatte daraufhin die Bewachung des Verkauflokals verlangt.

Dienstag, kurz vor vier Uhr früh schlugen drei Männer die Glasscheibe der Eingangstür ein und wurden vom Juwelier gestellt. Als das Trio auf ihn zuging, habe er ungezielt geschossen. Der 39-jährige Pole Adam B. wurde tödlich getroffen, die beiden Komplizen liefen davon. (simo, tb, DER STANDARD Printausgabe 29.7.2004)

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    Diebe und Einbrecher sind fast immer einen Schritt voraus und schneller als die Polizei

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