"John Kerry ist der beste Mann"

30. Juli 2004, 19:26
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Teresa Heinz rührt die Werbetrommel für ihren Gatten und die Ökologie

Ein "Love In" sei es, das da in Boston über die Bühne gehe, ätzte das Murdoch-Boulevardblatt New York Post in Anspielung auf die ostentative Geschlossenheit, die die Demokraten bei ihrem Nominierungsparteitag 2004 an den Tag legen. Laut Ansicht vieler Beobachter war Dienstag zwar das politisch am wenigsten wichtige Datum, aber das Abendprogramm im Fleet Center bot gleichwohl eine aufregende Kombination von Rednern. Neben Parteiurgestein wie Senator Ted Kennedy, der Bush harsch eine Politik der Furcht vorwarf, meldeten sich auch Neulinge zu Wort, die nicht einmal in der Partei, geschweige denn in der größeren US-Öffentlichkeit sehr bekannt sind.

Dazu zählt der 42-jährige Barack Obama, der im Senat des Bundesstaates Illinois sitzt und gute Aussichten hat, als einziger Schwarzer auch in den Senat in Washington einzuziehen. Obama gilt als größte Zukunftshoffnung der Demokraten, und mit einer fulminanten "Keynote Speech", die den Saal zu Begeisterungsstürmen hinriss, bewies er, dass er seinen Ruf zu Recht genießt. Howard Dean, Exgouverneur von Vermont und expliziter Gegner des Irakkriegs, der in den Vorwahlen gegen John Kerry unterlegen war, erhielt minutenlangen Applaus schon vor seiner Rede.

Ron Reagan, Sohn des kürzlich verstorbenen republikanischen Expräsidenten, hielt ein Plädoyer für die Stammzellenforschung, der die Regierung Bush enge gesetzliche Grenzen gesetzt hat. "Viele, die die Stammzellenforschung einbremsen", meinte Reagan, "tun das aus schäbigen politischen Motiven. Sie sollten sich schämen."

Ein Kämpfer

Höhepunkt des Abends war aber die mit Spannung erwartete Rede von Teresa Heinz Kerry, der Gattin von John Kerry. Die eine Milliarde Dollar schwere Eigentümerin des Ketchup-Konzerns Heinz präsentierte sich als eigenwillige, aber auch leidenschaftlich für ihre Anliegen eintretende Frau, der vor allem die Ökologie am Herzen liegt. "Gute Umweltschutzpolitik ist gute Wirtschaftspolitik", meinte sie unter dem Jubel der Parteitagsdelegierten. John Kerry sei "der beste Mann, um Amerika zu verteidigen". Er sei ein Kämpfer, der immer an vorderster Front stehen werde, wenn es um die Interessen der Nation geht. Teresa Kerry Heinz war in den vergangenen Tagen Gegenstand ausführlicher Mediendiskussionen, weil sie einem zudringlichen Reporter am Sonntag gesagt hatte, er solle doch endlich "das Maul halten".

Im Umfeld des Parteitags findet in der ganzen Stadt eine Fülle politischer Randaktivitäten statt. Friedensbewegte "Progressive" wetterten bei einer Versammlung in der Park Street gegen den Irakkrieg, Abtreibungsgegner fuhren mit Lastwägen, auf denen Riesenbilder von zerstückelten Föten zu sehen sind, durch Downtown. Omnipräsent in Boston ist auch Regisseur Michael Moore, der sich mit seinem supererfolgreichen Dokumentarfilm "Fahrenheit 9/11" als bekanntester Bush-Gegner der Nation profiliert hat. In einem hitzigen Rededuell mit dem konservativen Fox-Talkmaster Bill O'Reilly ließ sich Moore nicht davon abbringen, dass Bush die Amerikaner belogen und willentlich in einen unsinnigen Krieg getrieben habe. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.7.2004)

Von
Christoph Winder aus Boston
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