Premier Allawi auf schwieriger Normalisierungstour

29. Juli 2004, 17:59
6 Postings

Wenig Hilfe für den irakischen Regierungschef bei erster Rundreise durch die arabischen Nachbarstaaten

Bagdad/Wien - Einen Monat nach der Machtübergabe durch die USA macht Iraks Premier Iyad Allawi - derzeit auf einer ersten Rundreise durch die arabischen Nachbarstaaten - eine doppelte Erfahrung: Sein Versprechen von mehr Sicherheit für die Iraker kann er derzeit nicht erfüllen. Gleichzeitig gestaltet sich die Normalisierung mit den arabischen Nachbarn wegen der 130.000 US-Soldaten und der Anschläge im Land schwierig.

Allawi, der seine Rundreise vergangene Woche in Jordaniens Hauptstadt Amman begann, hat für seine Bitten nach einer Beteiligung an der multinationalen Truppe im Irak nur Absagen erhalten. Kairo schloss eine Entsendung von Soldaten aus, erst recht, nachdem kurzzeitig ein ägyptischer Diplomat entführt worden war. Für Damaskus, Allawis dritte und politisch wichtigste Station, wäre eine militärische Präsenz ohnehin undenkbar angesichts der US-Truppen im Irak und einer schwierigen Vorgeschichte: Bagdad brach 1980 die diplomatischen Beziehungen zu Damaskus ab, nachdem Syrien den Iran im Krieg gegen den Irak unterstützte; von 1997 an begann sich Syrien wiederum mit dem Saddam-Regime zu arrangieren und kaufte illegal Öl. Die Regierung Allawi sei "teilweise legitim" gestand nun Syriens Außenminister Faruk al-Sharah zu, weil die UNO an ihrer Schaffung mitgewirkt habe.

Mit Syrien vereinbarte Iraks Premier die Einrichtung einer gemeinsamen Kommission zur Überwachung der 600 Kilometer langen Grenze, über die einige der Terroristen in den Irak gelangen sollen. Gespräche über die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen stehen auch in Kuweit an, wo Allawi nach seinem Besuch in Saudi-Arabien reist. Seinen Verteidigungsminister Hazem Shaalan hat er mittlerweile korrigiert. Der hatte vom Iran als "ersten Feind des Irak" gesprochen. (mab/DER STANDARD, Printausgabe, 29.7.2004)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Allawi beim saudischen Außenminister Saud Al Faysal (re)

Share if you care.