Verheerender Anschlag in Bakuba

29. Juli 2004, 19:33
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Mehr als 70 Tote und rund 30 Verletzte bei Explosion einer Auto­bombe - Schwerstes Attentat seit der Macht­übergabe

Mindestens 68 Menschen starben in Bakuba durch eine Autobombe, 30 weitere wurden verletzt. Der Anschlag wirft einen Schatten auf die am Wochenende beginnende irakische Nationalversammlung. Diese soll eine weitere Demokratisierung des Landes einleiten.


Bakuba/Bagdad - Ein schwer verletzter Mann sitzt blutverschmiert und mit verbrannter Kleidung neben mehreren Toten inmitten rauchender Ruinen. Einige der Opfer neben ihm sehen aus wie Kinder. "Gott segne sie. Was haben sie denn getan?", schreit ein Mann beim Anblick der Leichen. Polizisten stapeln Verletzte auf die Ladeflächen offener Kleinlaster, rasen ins Krankenhaus. Passanten sammeln Körperteile auf, damit sie beerdigt werden können. Feuerwehrleute löschen die Flammen und richten ihre Schläuche auch auf die noch brennenden Leichen.

Beim schwersten Anschlag seit der Machtübergabe im Irak sind am Mittwoch auf einem belebten Marktplatz in Bakuba mindestens 68 Menschen getötet worden. Mehr als 30 Menschen wurden bei dem Selbstmordanschlag durch eine in einem Bus versteckte Autobombe verletzt. Die Wucht der Explosion in der Kleinstadt 65 Kilometer nördlich von Bagdad zerschmetterte Marktstände und zerstörte mehrere Gebäude.

Der Anschlag ereignete sich drei Tage vor Beginn der Nationalversammlung in der Hauptstadt, die als entscheidend gilt für die weitere Demokratisierung des Irak vor den für Januar geplanten Wahlen. Am kommenden Samstag wollen in Bagdad rund 1000 Delegierte aller Teile der irakischen Gesellschaft über die Zukunft des Landes beraten. Außerdem werden sie einen Nationalrat wählen, der die von den USA eingesetzte Übergangsregierung bis Januar kontrollieren soll.

Der Rat wird Gesetze mit einer Zweidrittelmehrheit stoppen können und muss den Haushalt für das kommende Jahr beschließen. Aus Furcht vor Anschlägen bereiten US-Soldaten und irakische Polizisten die Sicherheitsvorkehrungen für die Versammlung seit Wochen vor.

In Bagdad wurden indes mehrere Menschen verletzt, als eine Rakete in einer belebten Straße einschlug. Nahe Kirkuk starben zwei Iraker, die an einer Ölpipeline Sprengsätze anbringen wollten. Dienstag kam ein US-Soldat bei Bagdad durch eine Bombe ums Leben. (Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 29.7.2004)

Von
Faris Mehdawi
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    Autobombe vor Polizeistation in Bakuba

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