Ölpreis in New York auf neuem Rekordhoch

28. Juli 2004, 19:49
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Yukos-Krise treibt US-Ölpreis auf bisher höchsten Stand von 43 Dollar - Auch hohe Nachfrage in Asien heizt Preise an - OPEC kann nur mittelfristig mehr fördern

New York - Der Rohölpreis ist in New York wegen der Yukos-Krise auf ein neues Rekordhoch geklettert. Für ein Barrel der US-Referenzsorte Light Sweet Crude zur Lieferung im September wurden am Mittwoch zeitweise mehr als 43 Dollar (35,7 Euro) gezahlt. Am Vormittag (Ortszeit) lag die US-Sorte bereits bei 42,50 Dollar (35,3 Euro), um 66 Cent über dem Vortag.

Das war nach Angaben der Wirtschaftsagentur "Bloomberg" der höchste Preis seit Beginn des Terminhandels im Jahr 1983. Der bisherige Rekord wurde Anfang Juni d.J. nach Terroranschlägen in Saudi-Arabien und wegen der anhaltend instabilen Lage im Nahen Osten mit 42,45 Dollar pro Fass erreicht.

Als Grund für den Preisanstieg nannten Händler am Mittwoch vor allem die sich verschärfende Krise um den größten russischen Ölkonzern Yukos mit drohenden Produktionsausfällen.

OPEC-Öl auf 37,27 Dollar

Auch OPEC-Öl wurde zuletzt wieder teurer: Ein Barrel kostete 37,27 Dollar am Dienstag, wie am Mittwoch bekannt gegeben wurde. Besonders stark nachgefragt ist Nordseeöl: Brent stieg am Mittwoch zeitweise auf 39,05 Dollar pro Barrel.

Wegen der hohen Gewinnmarge in der Verarbeitung kaufen die Raffinerien in Rotterdam den Markt leer, außerdem fließt auch weiterhin Brent in Richtung USA, was unüblich ist. In der Folge bleibt auch Benzin in Deutschland teuer: Ein Liter Super kostete nach Industrieangaben am Mittwoch rund 1,19 Euro, ein Liter Diesel etwa 96 Cent.

Eine Reihe von Gründen treibt offenbar zur Zeit die Preise: Vor allem ist es die große Nachfrage in Asien, insbesondere China. Gleichzeitig produzieren die großen Ölförderländer kurz vor der Kapazitätsgrenze, was die Organisation vergangene Woche einräumte. Die OPEC kündigte große Investitionen an, um neue Quellen anzubohren.

Doch bis tatsächlich zusätzliches Öl fließen kann, kann ein Jahr vergehen. Bis dahin würde eine Unterbrechung der Lieferungen, etwa durch Krieg oder Terror, die Preise erneut explodieren lassen. Bis Ende 2005 soll die mögliche Tagesförderleistung 2,5 bis 3,5 Mio. Barrel über der jetzigen offiziellen OPEC-Produktionsmenge von 25,5 Mio. Barrel liegen.

Berichte über Produktionsstörungen

Am Wochenende hatte der saudi-arabische Ölminister Ali al-Naimi die aktuellen Ölpreise um 40 Dollar im "Spiegel" als zu hoch bezeichnet. Offenbar fehlt dem wichtigsten Ölproduzenten der Welt aber die Kraft, die Preise durch höhere Förderung sinken zu lassen.

Kurzfristig sind die Ölhändler auch besorgt wegen der Krise um den russischen Ölkonzern Yukos. Yukos-Chef Steven Theede warnte die Behörden in einem Brief, dass die Öllieferungen per Bahn nächste Woche eingestellt werden könnten, wenn der Konzern nicht an sein von der Staatsanwaltschaft eingefrorenes Vermögen komme. Der Konzern exportiert 55 Mio. Barrel Öl im Jahr per Bahn nach China. Außerdem verunsichern Berichte über weltweit mehrere Produktionsstörungen in großen Raffinerien die Märkte. (APA/dpa/AP)

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