Teuer und unter hohem Erfolgsdruck

30. September 2004, 13:44
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Die Investmentbranche beurteilt die Google-Aktien als teuer. Die Finanzgemeinde braucht allerdings dringend einen Erfolg an der Börse

Wien – Google steigt als Riese in die Börsenwelt ein. Mit einem Preisband für die Aktie von 108 bis 135 Dollar bringt es die Internet-Suchmaschine mit bis zu 36 Mrd. US-Dollar Börsenwert auf Platz Drei der Internetfirmen nach Yahoo.

Nummer Eins nach Börsenwert bleibt eBay mit 49 Mrd. US-Dollar Börsenwert. Auf reiner Bewertungsbasis kommt Google teuer auf den Markt: Das Preisband ergibt einen Multiplikationsfaktor der Gewinne der vergangenen vier Quartale von 150 bis 187. Zum Vergleich: Yahoo kostet derzeit 105-mal so viel wie seine vergangenen Gewinne. Aktien der "Old Economy" kosten 20 bis 30 mal so viel.

Hohe Stückelung

Auch die hohe Stückelung ist ungewöhnlich: Üblicherweise werden Aktien mit viel kleineren Stückelungen verkauft, weil das Privatanleger nicht so sehr abschreckt. Dass sich die Auktion eher auf Großanleger beschränken dürfte, lassen auch die derzeit veranstalteten Investmentzirkel der begleitenden Banken JP Morgan und Credit Suisse vermuten. Obwohl praktisch der gesamte Markt Google für teuer hält und sich Börsenbriefe für Privatanleger (etwa Investor's Daily) sogar überschlagen, Private vor einem neuen "Hype" zu warnen, gibt es keine Zweifel, dass die 24,6 Mio. Aktien – sie entsprechen neun Prozent an der Firma – unter gebracht werden.

Hans Leitner, Manager des Internet und Tech-Fonds der Erste Sparinvest, erklärt das so: "Der Börsengang wurde lange herbei gesehnt und muss ein Erfolg werden. Was Rang und Namen hat wird dabei sein, und wenn es aufs eigene Buch geht." Auch wenn der Juli an den Märkten bis jetzt mies verlaufen ist. Am 9. August soll die Auktion abgeschlossen sein. Sollten die Gebote über 135 Dollar gehen, dann will Google weitere Aktien zwecks Preisstabilisierung ausgeben.

"In zwölf Monaten um 30 Prozent billiger"

Leitner: "Ich glaube, dass wir Google in zwölf Monaten ohnedies um 30 Prozent billiger bekommen werden, aber auch dann kaufe ich nicht." Er sei vom Unternehmen nicht überzeugt, sagt er.

Was andere Investoren stört, ist, dass Google nun die Umsätze aus Werbung anders berechnet und so statt 962 Mio. Dollar Umsatz 2003 rund 1,5 Mrd. ausweist. "Da verlieren wir Klarheit", sagte Analystin Marianna Wolk der New York Times.

Klar ist, dass die beiden Gründer Sergey Brin und Larry Page nach dem Börsengang liquide sein werden: Sie erlösen je bis zu 130 Mio. Dollar. Gemeinsam mit CEO Eric Schmidt werden sie künftig 38 Prozent der Aktien (zu einem Wert von ca. 14 Mrd. Dollar) und 60 Prozent der Stimmrechte halten. (Karin Bauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.7.2004)

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