Gusenbauer: "So nahe waren uns die Amerikaner noch nie"

31. Juli 2004, 21:15
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SP-Chef über US-Demokraten: Der Langzeitbeobachter der US-Politik rechnet dem Gespann Kerry-Edwards gute Chancen aus

Boston - SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer, ein Langzeitbeobachter amerikanischer Politik, ist zufrieden: Das Gespann der Senatoren John Kerry und John Edwards hat seiner Einschätzung nach durchaus gute Chancen, bei den Präsidentschaftswahlen am 2. November die Amtsinhaber George Bush und Dick Cheney ins Ausgedinge zu schicken. "Nach dem 11. September war die Stimmung unglaublich günstig für den Präsidenten. Niemand hätte im Entferntesten geglaubt, dass man ihn je abwählen kann", meint Gusenbauer, der in dieser Woche gemeinsam mit SP-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos an einer, von den US-Demokraten veranstalteten internationalen Konferenz für politische Führungspersönlichkeiten in Boston teilnimmt.

"Allein die Tatsache, dass Kerry und Edwards bei diesen Wahlen überhaupt eine Chance haben, ist schon ein Riesenerfolg", meint der SP-Chef. Und er glaubt auch, dass die US-Demokraten vor allem in Fragen der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik immer häufiger Positionen vertreten, die dieselben sind wie die der europäischen Sozialdemokratie: "So nahe waren uns die Amerikaner noch nie." Während sie vor zwanzig Jahren bei Treffen der Sozialistischen Internationale (SI), in der die US-Demokraten Beobachterstatus haben, stets ein "low profile" gewahrt hätten, würde sich heute "kein Mensch wundern, wenn Bill Clinton bei der SI als Keynote Speaker auftritt".

Auf Clinton hält Gusenbauer überhaupt große Stücke, und dies erst recht seit dessen Auftritt am Montagabend, bei dem der populäre ehemalige Präsident die demokratische Parteibasis regelrecht in Verzückung versetzte: "Er ist der beste politische Redner weltweit, viel besser noch als Tony Blair. Wenn es nur die US- Verfassung erlauben würde, würde er die Präsidentschaftswahlen ein drittes Mal mit links gewinnen."

Guter Kandidat

Für Gusenbauer ist Senator Kerry vor allem deswegen ein guter Kandidat, weil er "Veränderung signalisiert, aber dies auf eine Weise tut, die die Menschen nicht vor den Kopf stößt". Die Art, wie die Amerikaner wahlkämpfen, so Gusenbauer, sei allerdings für europäische Politiker nur beschränkt lehrreich. "Dafür unterscheiden sich die europäische und die amerikanische Öffentlichkeit einfach zu sehr." (win)(DER STANDARD, Printausgabe, 29.7.2004)

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    Daumen hoch für Kerry und Edwards: Alfred Gusenbauer

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