Kolportiert: Frauenflüsterer Schüssel

30. Juli 2004, 17:56
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Der Kanzler mag vieles sein, nicht jedoch ein Macho: Immer wieder hat er Frauen in sein Team geholt

Vieles lässt sich Kanzler Wolfgang Schüssel nachsagen, eines nicht: Dass er ein Macho ist. Schüssel hat sich während seiner Karriere immer wieder Frauen in sein Team geholt – bis vor kurzem managte ihn ein reines Damentrio: Ursula Plassnik, bis Ende 2003 Kabinettschefin und jetzt Botschafterin in Bern, und die beiden Pressesprecherinnen Heidi Glück und Verena Novotny.

"Schüssel hat eben erkannt, dass Frauen besser sind – und er kann als Mann damit leben", meint eine, die ihn besonders gut kennt: ÖVP-Abgeordnete Ulrike Baumgartner-Gabitzer, die von 1989 bis 1995 sein Kabinett leitete und als eine seiner engsten Beraterinnen gilt. Schüssel schätzt eigenständige, resolute Persönlichkeiten. Seine Mutter zog ihn allein groß. Prägend war für ihn auch seine Tante, die ihm Zugang zum Schottengymnasium verschaffte. Während seiner Studienzeit in der katholischen Hochschuljugend traf er einmal mehr auf Frauen, für die "ein gleichberechtigtes, partnerschaftliches Miteinander" selbstverständlich war, erzählt Jugendfreundin Heide Pils einmal.

Auch in der Parteiarbeit übertrug Schüssel Frauen immer wieder wichtige Funktionen. So fand er in Maria Rauch-Kallat eine linientreue Parteigeneralin – und belohnte sie dafür mit dem Wunschressort Gesundheit. Wissenschaftsministerin Elisabeth Gehrer gehört zum engsten Führungskreis ("Küchenkabinett" genannt). Die ehemalige Nationalbankgouverneurin Maria Schaumayer betraute er mit der heiklen Frage der Restitution. Mit Exvizekanzlerin Susanne Riess-Passer versteht er sich noch heute ausgezeichnet.

Auf den Frauenanteil in seiner Umgebung legt Schüssel offensichtlich größten Wert – deshalb soll auch das Außenamt weiblich bleiben. Kehrt Plassnik als Nachfolgerin für Außenministerin Benita Ferrero- Waldner zurück, wäre Schüssels Damentrio am Ballhausplatz wieder perfekt. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.7.2004)

Von Barbara Tóth
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