Genaue Zahlen der Gewalt fehlen

29. Juli 2004, 07:00
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Daniela Almer von den Autonomen Frauenhäusern Österreich unterstreicht die Notwendigkeit einer repräsentativen Studie - im Interview

dieStandard.at: Wie sieht die Situation für Frauen in Österreich aus? Wie sehr sind österreichische Frauen von Gewalt betroffen?

Daniela Almer: Ich kann hauptsächlich für die österreichischen Frauenhäuser sprechen, und aus dieser Perspektive das Ausmaß der Gewalt abschätzen. Wir müssen leider immer noch davon ausgehen, dass jede fünfte Frau in Österreich einmal in ihrem Leben von Gewalt von Männern aus ihrem sozialen Nahraum betroffen ist.

dieStandard.at: Wer oder was fällt untere diese Definition?

Daniela Almer: Da fallen Ehemänner, Lebensgefährten, Partner, Freunde, Brüder oder aber auch Nachbarn darunter. In den letzten Jahren ist immer von der Gewalt in der Familie gesprochen worden. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass sich der Familienbegriff ständig verändert.

dieStandard.at: Und wieso passiert Gewalt vor allem im so genannten "sozialen Nahraum"?

Daniela Almer: Wir gehen davon aus, dass es zu Gewalt in Beziehungen kommt, weil es um ungleiche Machtverhältnisse geht. Wenn Frauen nicht die gleichen Rechte wie Männer haben, dann werden sie immer von Gewalt betroffen sein.

Die UNO-Definition bringt das ganz schön auf den Punkt: es geht um eine historisch gewachsene Machtungleichheit zwischen Männern und Frauen. Vor allem die strukturelle Gewalt darf auf keinen Fall übersehen werden, weil wiederum diese vor allem Frauen betrifft.

dieStandard.at: In welchen Bereichen sind deiner Erfahrung nach Frauen vor allem betroffen?

Daniela Almer: So gut wie überall. Viele Frauen bekommen noch immer ein geringeres Einkommen als Männer, das Kinderbetreuungsangebot ist schlecht, weshalb Frauen Nachteile am Arbeitsmarkt erfahren müssen und vor allem Migrantinnen sind gleich mehrfach von Ungerechtigkeiten betroffen.

dieStandard.at: Genaue Zahlen gibt es da aber keine?

Daniela Almer: Leider nein. Wir müssen uns seit Jahren auf Schätzungen verlassen, da bisher noch keine repräsentative Studie finanziert worden ist. Eine repräsentative Studie zu diesem Thema wäre eine große Chance für uns. In den meisten europäischen Ländern gibt es so etwas, und da ist zumeist auch noch eine Schätzung über das Kostenausmaß dabei. Man darf ja nicht vergessen, das Gewalt enorm hohe volkswirtschaftliche Kosten verursacht, durch Polizeieinsätze, Krankenstände, Arztkosten et cetera. So könnten wir auch noch professioneller Arbeiten.

dieStandard.at: Aber es hapert an der Finanzierung … Wie sieht es sonst finanziell in Ihrem Bereich aus?

Daniela Almer: Leider gar nicht gut. Das ist eines der dringendsten Probleme, dass viele notwendigen Institutionen, wie zum Beispiel die Frauenhelpline gegen Männergewalt, dringend eine fixe Absicherung braucht und nicht ständig um ihre Existenz bangen muss. Und die Zahlen zeigen auch, dass diese – und viele andere – Einrichtungen mehr als notwendig sind.

(e_mu)

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