Vier Tote bei Geiselnahme in Chiles Botschaft in Costa Rica

31. Juli 2004, 21:18
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Polizist nimmt mehrere Geiseln - Tatmotiv des Entführers unklar

San José (APA/dpa) - Bei der Geiselnahme in der chilenischen Botschaft in Costa Rica sind am Dienstag vier Mitarbeiter der diplomatischen Vertretung getötet worden. Das teilte der Direktor des Roten Kreuzes, Guillermo Arroyo, in der Hauptstadt San José mit. Ein Polizist hatte am Nachmittag (Ortszeit) mehrere Menschen in seine Gewalt gebracht. Sicherheitsminister Rogelio Ramos sagte, der zum Sicherheitspersonal der Botschaft gehörende Beamte habe versetzt werden sollen.

Bis zum späten Abend (Ortszeit) führten Verhandlungsversuche der Behörden und der Familie des 54 Jahre alten Polizisten zu keinem Ergebnis. Der Geiselnehmer habe sich selbst verletzt, als sich versehentlich ein Schuss aus seiner Waffe löste. Der Bereich um die Botschaft wurde von starken Polizeikräften abgesperrt.

Unter den Geiseln seien mehrere Mitarbeiter der Vertretung, aber nicht Botschafter Guillermo Yunge selbst, hieß es. Die chilenische Außenministerin Soledad Alvear sprach in Santiago de Chile von neun Geiseln, die Behörden Costa Ricas erst von elf, dann von zehn.

Der chilenische Innenminister Jose Miguel Insulza, der sich seit Montag in San Jose aufhält, hatte ursprünglich am Abend an einem Empfang in der Botschaft teilnehmen wollen. Er sei jedoch zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gewesen, sagte Insulza chilenischen Medien.

Tatmotiv des Entführers unklar

Ramos zufolge hatte der Geiselnehmer zehn Menschen in seine Gewalt gebracht. Der 54-Jährige gehörte seit fünf Jahren zum Wachpersonal. Orlando Jimenez habe "nie Disziplinprobleme" gehabt, teilte das Ministerium mit.

Bei dem Sturm auf die Botschaft sei kein Schuss abgefeuert worden, sagte Ramos. Jimenez habe sich selbst erschossen. Zu seinem Motiv hieß es in einer Mitteilung des Sicherheitsministeriums, er sei "zweifellos einem emotionalem Problem zur Beute gefallen". Der Polizist sei unlängst in einen Außenbezirk von San Jose versetzt worden - möglicherweise hing seine Tat damit zusammen, sagte Ramos. "Die Leute, die ihn kannten, beschreiben ihn als liebenswerten und ernsthaften Menschen", teilte das Sicherheitsministeriums weiter mit. Angehörige des Geiselnehmers, unter auch sein Sohn Randall, hätten sich an den Tatort begeben, hätten aber nicht mit ihm sprechen können. (APA/dpa)

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