49 Islamisten aus Gefangenschaft entlassen

30. Juli 2004, 09:48
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Oppositionsführer Turabi weiter in Haft

Khartum - Die sudanesische Regierung hat fast 50 Islamisten aus der politischen Gefangenschaft entlassen. Wie der Sohn des Islamistenführers Hassan el Turabi, Seddik Turabi, am Dienstag in Khartum mitteilte, wurden 49 Mitglieder der Oppositionspartei Volkskongress freigelassen. Sein Vater, der Chef des Volkskongresses, sei jedoch nicht darunter.

Bei den Freigelassenen handelte es sich laut Seddik Turabi um Volkskongress-Mitglieder, die ohne Anklage gefangen gehalten worden waren. Neben Turabi sind nun noch neun weitere Parteimitglieder in politischer Gefangenschaft. Sie werden von der Regierung beschuldigt, einen Staatsstreich geplant zu haben. Turabi selbst wird nicht wegen des angeblichen Putschversuchs gefangen gehalten. Er war jedoch am 31. März in dem Zusammenhang aus Sicherheitsgründen festgenommen worden.

Graue Eminenz

Der 72-jährige Turabi galt einst als die graue Eminenz der 1989 durch einen Militärputsch an die Macht gekommenen Regierung von Präsident Omar al Bashir. Er hatte Bashir bei der Machtübernahme geholfen, war jedoch zehn Jahre später von diesem aus dem inneren Machtzirkel ausgeschlossen worden. Daraufhin gründete Turabi eine Partei, die zur wichtigsten Oppositionspartei des Sudan wurde. Er verbrachte seitdem bereits mehr als drei Jahre im Gefängnis oder unter Hausarrest.

Der sudanesische Verhandlungsführer mit den Rebellen in Darfur, Agrarminister Majsub el Khalifa Ahmed, hatte zuvor die Freilassung politischer Gefangener im Rahmen einer "politischen und strategischen" Generalmobilmachung angekündigt. Der Sudan wolle damit einer möglichen Intervention internationaler Truppen in der Krisenregion Darfur entgegentreten. Um die "innere Front" im Sudan zu stärken, schloss Ahmed auch einen Dialog mit Anhängern Turabis nicht aus. (APA)

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