Demokratischer Jubel für Clinton-"Popstars"

29. Juli 2004, 06:30
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"Republikaner brauchen gespaltenes Land" - Jimmy Carter greift Präsident Bush scharf an

Boston - Selbst der republikanische Parteistratege Rich Galen musste es am Dienstagmorgen auf dem schamlos Bush-freundlichen TV-Sender Fox zugeben: "Die Clintons sind die Popstars der Demokraten." In einer umjubelten 25-minütigen Rede am Ende des ersten Parteitagabends forderte der ehemalige Präsident seine Parteifreunde auf, John Kerry, "einen guten Mann, einen großen Senator und eine visionäre Führungspersönlichkeit" ins Weiße Haus zu schicken.

Der amtierende Präsident (den Namen Bush nahm Clinton kein einziges Mal in den Mund) und John Kerry seien beide "starke Männer, die das beste für ihr Land wollten". Damit hörten sich für Clinton allerdings die Gemeinsamkeiten auf: Die Demokraten hätten die bessere Politik für das amerikanische Volk gemacht, die Republikaner hingegen machten Politik "nur für ihre Leute". Nur sie seien "daran interessiert, dass das Land gespalten ist, wir sind es nicht."

Bush habe die Chance, nach dem 11. 9. 2001 eine weltweite Koalition gegen den Terror zu bilden, nicht genutzt. Und in Anspielung auf Bushs Steuersenkungen für die reichsten Amerikaner meinte Clinton: "Ich zähle zum obersten einen Prozent der Spitzenverdiener in diesem Land. Wollt ihr wirklich eine Regierungspolitik, die euch das Geld wegnimmt, nur damit ich weniger Steuer zahlen muss?"

Verfehlte Politik

Vorgestellt worden war Clinton von Gattin Hillary Rodham Clinton. Sie meinte in einer kurzen Rede, sie erwarte sich von einer amerikanischen Regierung, "dass sie die Welt führt und nicht vor den Kopf stößt". Ein paar Medien stellten gallig fest, dass Bill und Hillary Clinton einander ohne Kuss auf der Bühne begrüßt hatten.

Am wenigsten im Sinn der "positiven" Parteitagsstimmung äußerte sich der greise Expräsident Jimmy Carter, der Bush scharf angriff und ihm eine verfehlte Nahostpolitik vorwarf. Bush habe nicht verhindern können, dass der Nahe Osten heute von antiamerikanischen Ressentiments zerfressen werde. Carter erinnerte sich an seine Zeiten als Offizier und an Truman und Eisenhower zurück: "Das waren Leute, bei denen man darauf vertrauen konnte, dass sie keine Soldaten in willkürlich vom Zaun gebrochenen Kriegen gefährden würden."

Erster Redner des Abends war Exvizepräsident Al Gore, der in einer erstaunlich lockeren und selbstironischen Rede seine Missgeschicke bei der Wahl 2000 noch einmal Revue passieren ließ: "Ich verstehe, was eine schlechte Wirtschaftslage bedeutet. Ich war damals der erste, der seinen Job verloren hat." Und, in Anspielung auf den superknappen Wahlgang in Florida: "Eines können sie mir glauben: Jede Stimme zählt." (win/DER STANDARD, Printausgabe, 28.7.2004)

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