US-Parteitage ein Schritt für Weblogs zur Respektabilität

von Redaktion  |  03. August 2004, 10:25
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Die offizielle journalistische Akkreditierung bei den US-Parteikonventen bringt Internetlogbüchern weitere Anerkennung

So wie sich 24-Stunden-Nachrichtensender wie CNN mit Kriegen, Krisen und politischen Großereignissen einen fixen Platz am journalistischen Firmament verschafften, nutzt jetzt eine neue Form der Berichterstattung die gleichen Anlässe um sich zu etablieren. Aus dem Irak berichtete zu Zeiten des Krieges der "Blogger von Baghdad" über den Alltag der angegriffenen Stadt, während "eingebettete Journalisten" aus den Reihen der US-Armee ihre Fronttagebücher in Echtzeit veröffentlichten. Jetzt sind es die Parteitage von Demokraten und Republikanern, die den "Blogs" genannten Logbüchern im Internet zum Aufstieg auf der Stufenleiter journalistischer Anerkennung besorgen, indem sie für die Berichterstattung akkreditiert wurden.

Fünf Jahre jung

Für die Parteitagsveranstalter sind Blogger damit ganz offiziell Journalisten, ihre Blogs Medien - obwohl dies in der jungen Evolutionsgeschichte der Weblogs alles andere als klar ist. Vor rund fünf Jahren erblickten sie das Licht des Bildschirms, persönliche Journale zu Gott und der Welt, mit Links zu anderen Webseiten. Vor allem in den USA verbreiteten sie sich wie Schwammerl nach einem Regen, im deutschen Sprachraum sind sie noch eher eine Randerscheinung.

Medien Blogs

Während sie meist von Amateuren und Halbprofis geführt werden (oder etwa Wissenschaftern und Experten, die damit zu ihren Fachgebieten laufend Infobytes sammeln), entdecken zunehmend auch Medien Blogs als Chance zur Leserbindung - und durch die kurzen, laufenden Zusammenfassungen aktueller Entwicklungen einen schnellen Überblick über aktuelles Geschehen geben zu können. Blogs übernehmen dabei die Funktion einer Art Nachrichtenticker - wenn auch meist in der Färbung des jeweiligen Autors.

Die Akkreditierungen

Bei den Weblogs, die von den Demokraten akkreditiert wurden, finden sich so unterschiedliche wie "Talkleft. com" der Strafverteidigerin Jeralyn Merritt, ein laufender Kommentar zu politischen und strafrechtlichen Themen; Klatsch und Tratsch auf "Wonkette.com" der MTV-Journalistin Ana Marie Cox; oder der 16-jährige Schüler Stephen Yellin, der für DailyKos.com schreibt. DailyKos.com wiederum wird von dem Anwalt Markos Moulitsas Zuniga herausgegeben, der für John Kerry und andere demokratischen Kandidaten bisher rund 400.000 US-Dollar aufbrachte - und sich dafür das Recht herausnimmt, "einer der größten Kritiker der Demokraten zu sein".

Über 200 Blogger bewarben sich nach einem Bericht der New York Times um die Akkreditierung, rund drei Dutzend wurden schließlich zugelassen. Wie für alle anderen Medien gab es sowohl Akkreditierungen, die nur begrenzte Pressebereiche öffnen, als auch solche für uneingeschränkten Zugang zu allen Bereichen des Parteitags. Basis für die Zulassung war die umfassende Loglektüre durch Konventsmitarbeiter; als Kriterien für die Zulassung galten Größe der Leserschaft, Professionalität und Originalität.

Frei von der Leber

Vor allem die Frage der Professionalität wird sowohl von "richtigen" Medien - also TV-Sendern, Zeitungen und Magazinen - als auch den Veranstaltern mit großem Interesse und gemischten Gefühlen beobachtet. Denn während es für Journalismus im Großen und Ganzen Spielregeln gibt, wie Recherche als Basis für Darstellungen, Trennung von Nachricht und Kommentar oder die Berücksichtigung gegenteiliger Meinungen, sind Blogger von solchen Traditionen frei, wenn sie sich nicht freiwillig selbst daran halten.

Insbesondere die pointierte Darstellung, die kommentierende Interpretation von Nachrichten gilt eher als Tugend denn als Manko von Blogs. "Wir ermöglichen es der demokratischen Parteibasis, sich eine Meinung zu bilden, für die sie sich engagieren kann", zitiert die Times das Selbstverständnis des 16-jährigen Bloggers Yellin.(spu/DER STANDARD, Printausgabe vom 28.7.2004)

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